08.03.2000
Jenseits von Afrika I

Hart wie Riefenstahl

Afrika kommt nicht zur Ruhe. Erst spülte die mosambikanische Flut, die fast das Ausmaß des historischen Oderhochwassers erreichte, die Ruhe weg auf dem leidgeprüften Krisenkontinent, und dann auch noch das: Leni Riefenstahl, die »umstrittene Regisseurin, Fotografin und Abenteuerin« (Berliner Zeitung), stürzte mit einem Hubschrauber im Sudan ab. Riefenstahl, die den umstrittenen Führer Adolf Hitler persönlich gekannt und auch gefilmt hatte, überlebte 97jährig das Unglück. Nach Informationen des Auswärtigen Amtes und des ADAC kam sie mit zwei Rippenbrüchen und einigen Prellungen davon.

Wie immer, wenn sich in Afrika Katastrophen dieser Größenordnung ereignen, reagierten die deutschen Behörden sofort und unbürokratisch. Bereits zwei Tage nach dem erneuten Schicksalsschlag in Riefenstahls Leben begann die Rückholaktion. Ein Vorauskommando der Bundeswehr sichtete die Lage. Auch Großbritannien schickte umgehend zwei (!) Helikopter. Allerdings nicht in den Sudan, sondern nach Mosambik. Typisch Tommys: Deutsche in Gefahr sind nicht ihre »cup of tea«. Gerüchten zufolge war Leni Riefenstahl auf dem Weg vom Sudan zu den Malediven, wo sie »tauchen« wollte. Von den guten Wassersportbedingungen im südlichen Afrika ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Im Sudan besuchte sie den Stamm der Nuba, den sie schon in den sechziger Jahren erforscht und fotografiert hatte. Mit den Nuba-Kriegern verbindet sie »ein magisches Band« (B.Z.), die Eingeborenen verehren sie und nennen sie »die Weiße mit dem dritten Auge«. Aber auf solche Harmonie ist in Afrikas Dschungel natürlich kein Verlass. Trotz der Warnungen von Freunden und Menschenrechts-Organisationen trat Riefenstahl die »gefährliche Reise« (B.Z.) an und bezahlte ihre »Abenteuerlust« (B.Z.) beinahe mit dem Leben.

Dabei hätte sie wissen müssen, dass der schwarze Kontinent voller Gefahren ist: Bereits 1956 erlebte sie bei einer Expedition zu den Nuba einen Autounfall und brach sich »alle Rippen und den Schädel« (B.Z.). Aber Leni Riefenstahl, die »überaus zähe Natur«, »kühn und abenteuerlustig« (Berliner Zeitung), wie sie ist, ist durch so etwas nicht zu erschüttern. Ein entbehrungsreiches Querdenkerleben hat sie abgehärtet. Wie einst ihren Künstlerkameraden Ernst Jünger. Wen die Kunst nicht umbringt, den lässt sie reifen.

Von ihrer positiven Weltanschauung, die sie sich vor allem in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts angeeignet hat, lässt sie sich nicht mehr abbringen: »Trotz allem bin ich Optimist, sonst würde ich schon lange nicht mehr leben.« Live and let die. Daran sollten sich die ewigen Verzager und Nörgler mal ein Vorbild nehmen. Z.B. die von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Die hatten an Riefenstahl appelliert, das sudanesische »Völkermordregime« nicht zu verherrlichen. Als ob sie sich für so etwas hergeben würde.

Sei es Vorsehung oder Bestimmung, es scheint Riefenstahl vergönnt zu sein, ihr filmerisches Werk, das große Meisterwerke der deutschen Filmkunst umfasst (z.B. »Strumpf des Willens«), zu vollenden. Der unselige Vorfall ereignete sich bei Dreharbeiten zu einem Film über ihr Leben. Ob Joseph Vilsmaier, Bernd Eichinger oder die Kuschelrock-Gruppe Rammstein hinter dem Projekt stecken, ist nicht bekannt. Als Titel zu dem Leinwand-Epos sind im Gespräch: »Zäh wie Leni, hart wie Riefenstahl«. Oder auch: »Im Körper des Führers« (in einer Nebenrolle: Christoph Schlingensief).

Nur die alternativ angehauchte taz vermutet hinter der Katastrophe einen »Regieeinfall der Unverwüstlichen«. Das biblische Ausmaß der Tragödie scheint den linken Ökologen piepegal zu sein. Doch »Die Menschen auf den Bäumen« (FAZ) - sei es nun im Sudan oder anderswo - verstehen das nicht. Sie wollen einfach mehr Hubschrauber, die nicht abstürzen. Und die sollen sie haben. Deutsche, unterstützt den Ausbau der Flugsicherung in Afrika! Spendenkonto: West LB, Kennwort: »Deutschland fliegt wieder«. Wo immer Not am Mann ist bzw. an der Frau. Keine Mark mehr nach Afrika, solange der Luftraum nicht sicher ist! Damit auch unsere Kinder noch was von den weiten Steppen haben.