15.11.2007

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Es war die größte Demonstration, die jemals im Gaza-Streifen stattgefunden hat. Mindestens 200 000 Menschen versammelten sich am Montag in Gaza-Stadt, um des vor drei Jahren verstorbenen Yassir Arafat zu gedenken. Zu der Kundgebung hatte die Fatah aufgerufen, die im Juni von den Milizen der Hamas entmachtet worden war. Die unerwartet große Beteiligung bewies, dass die Fatah im Gaza-Streifen weiterhin Einfluss hat, obwohl ihre Milizen aufgelöst wurden und die meisten hohen Kader geflohen sind. Verlesen wurde eine Erklärung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas: »Wir sagen der Hamas und den bewaffneten Milizen: Schluss mit euren Verbrechen.« Als Steine geworfen wurden, schossen Milizionäre der Hamas in die Menge. Sieben Menschen wurden getötet, mehr als 80 verletzt. Abbas sprach von einem »abscheulichen Verbrechen«, aber auch der Islamische Jihad distanzierte sich vom Vorgehen der Hamas: »Es ist unzulässig, wahllos auf eine Massendemonstration zu feuern.« In der Nacht zum Dienstag folgten Massenfestnahmen, nach Angaben der Fatah wurden 400 ihrer Anhänger inhaftiert.

Da die Fatah noch Zehntausenden ihrer Kader im Gaza-Streifen ein monatliches Gehalt zahlt, kann sie auf organisatorische Strukturen zurückgreifen. Vor den für Ende November geplanten Friedensverhandlungen in Annapolis war es nützlich für Abbas zu beweisen, dass seine Fatah im Gaza-Streifen weiterhin handlungsfähig ist. Die Gedenkfeier für Arafat, der über den Kreis der Fatah-Anhänger hinaus als Symbol der palästinensischen Nation gilt, war dafür die beste Gelegenheit. Möglicherweise hat der wirtschaftliche Niedergang seit der Machtübernahme der Hamas der Fatah, die sich durch Korruption und Repression diskreditiert hatte, wieder neue Sympathien verschafft. Unter Berufung auf Quellen aus Gaza und der israelischen Armee berichtet die Tageszeitung Ha’aretz, dass die Führung der Hamas gespalten sei und die extremste Fraktion der islamistischen Organisation die Kontrolle übernommen habe. Dieser vom Iran unterstützten Strömung folgten derzeit mindestens 70 Prozent der Hamas-Milizionäre. js