Porträt: Sherine Abdel Wahab, ägyptische Sängerin

Drecksbrühe

portrMan könnte sagen, sie habe untertrieben. Die ägyptische Sängerin Sherine Abdel Wahab machte vor über einem Jahr während eines Konzerts in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen kleinen Scherz. Ein Fan hatte sie gebeten, ihren Hit »Hast du vom Nil getrunken« zu singen, in dem sie ihre Liebe zu Ägypten ausdrückt. Sie erwiderte: »Davon bekommst du Schistosomiasis!« Die Erreger der auch als Bilharziose bekannten Krankheit finden sich in warmen Binnengewässern wie dem Nil. Schon wenn man darin badet, mann man sich anstecken, denn die Larven dringen durch die Haut in den Körper ein. Würde man das Wasser des stark verschmutzten Nils unaufbereitet trinken, könnte man sich auch zahlreiche andere Krankheiten holen.

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Um derlei Spitzfindigkeiten ging es jedoch nicht, als wegen des kürzlich aufgetauchten Videos von Sherines Wortwechsel mit dem Fan ein Sturm der Entrüstung ausbrach. Gegen die 37jährige wurde Anklage erhoben wegen »Beleidigung des ägyptischen Staats«. Vergangene Woche wurde als Gerichtstermin der 23. Dezember bekanntgegeben. In einer weiteren Anklage wird ihr vorgeworfen, der »nationalen Wirtschaft zu schaden, Touristen zu terrorisieren und dem Tourismus zu schaden«.

Entrüstete Fans erstellten ein Hashtag unter dem Motto »Ich werde aus dem Nil trinken und nicht auf Sherine hören«. Ein Schlückchen Nilwasser zu nehmen, sei jedem freigestellt. Mehr als ein Witz über die Wasserqualität eines Flusses sind es allerdings islamistische Terroristen und das autoritäre Regime in Ägypten, die dem Land und dem Tourismus schaden. Dass Ägypten sich kaum eine patriotischere Liebeserklärung als Sherines Hit wünschen kann, fällt den empörten Nationalisten offenbar nicht auf. Die Sängerin entschuldigte sich zwar artig auf Facebook bei ihrem »geliebten Ägypten und seinen Kindern« für den Schmerz, den sie ihnen zugefügt haben könnte. Der reaktionäre ägyptische Musikerverband verbot trotzdem Auftritte Sherines in Ägypten während der Ermittlungen. Die Großartigkeit Ägyptens darf eben nicht angezweifelt werden – insbesondere da der Nil auch von anderen beansprucht wird. Äthiopien will einen Staudamm bauen, der die Wasserknappheit in Ägypten verschärfen könnte.