Porträt - Martín Vizcarra ist der neue Präsident Perus

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War das nun ein Geschenk oder doch eher eine Bürde? Am Donnerstag vergangener Woche ist Martín Vizcarra 55 Jahre alt geworden, am Freitag wurde er als neuer Präsident Perus vereidigt. Sein Vorgänger Pedro Pablo Kuczynski war am Mittwoch zurückgetreten und damit einem Amtsenthebungsverfahren zuvorgekommen, das mit Sicherheit erfolgreich gewesen wäre. Gegen Kuczynski wird im Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht ermittelt (Jungle World 10/2018), am Tag vor seiner Rücktrittsankündigung hatte die größte Oppositionspartei Fuerza Popular Videos veröffentlicht, die angeblich zeigen, wie Unterstützer Kuczynskis Abgeordneten im Gegenzug für ihre Stimme gegen die Amtsenthebung öffentliche Bauaufträge und Zuwendungen versprechen. Ebenfalls im Rahmen des Odebrecht-Skandals wird ermittelt gegen die ehemaligen Präsidenten Ollanta Humala, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, sowie Alan García, der sich nach Spanien abgesetzt hat, und Alejandro Toledo, der in den USA auf seine Auslieferung wartet. Der ehemalige Diktator Alberto Fujimori galt nicht nur als korrupt, sondern auch als Mörder.
Die Messlatte für Vizcarra, bislang Vizepräsident, könnte, wenn man die Vergehen seiner Vorgänger betrachtet, nicht allzu hoch zu hängen. Die peruanische Bevölkerung bleibt allerdings in Aufruhr und der politische Machtkampf ist noch nicht entschieden. »Ich bin angesichts der derzeitigen Situation empört wie die Mehrheit der Peruaner. Aber ich bin überzeugt, dass wir zusammen einmal mehr zeigen können, dass wir weiterkommen«, twitterte Vizcarra am Mittwochabend. Im Mai 2017 wurde er Botschafter in Kanada. Seine Entsendung folgte damals auf Vorwürfe der Opposition, es habe bei der Auftragsvergabe für den Flughafenbau in Cuzco Unregelmäßigkeiten gegeben, als er Transportminister war. Immerhin scheint Vizcarra schon mit den Gepflogenheiten peruanischer Präsidenten vertraut zu sein. Vielleicht bekommt er ja auch noch etwas Schönes geschenkt.

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