Homestory #28

Ein kleines bisschen Fußballfieber kam dann doch noch auf. Nachdem wir vor zwei Wochen an dieser Stelle bedauernd hatten feststellen müssen, dass die Fußballweltmeisterschaft der Männer keinen großen Einfluss auf den Redaktionsalltag genommen hatte, verströmte die WM ein wenig Euphorie in den heiligen Hallen der Jungle World. Ende der Gruppenphase, endlich Spannung. Kollegen, die gegenüber der Welt des Profisports sonst eher die Nase rümpfen, fingen an zu fachsimpeln: Wer kommt weiter? Zählt erst die Tordifferenz oder gleich der direkte Vergleich? (Die Tordifferenz.)

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Nachdem alle Fachfragen geklärt waren – und Deutschland vollkommen verdient nach der Gruppenphase raus aus dem Turnier war –, begannen die Diskussionen über Details des redaktionsinternen Tippspiels: Drei Mal kam es allein im Achtelfinale zu einem Elfmeterschießen – wie kann man da richtig tippen? (Auf Unentschieden.) Plötzlich fiel einem Kollegen auf, dass alle Teilnehmenden etwas falsch gemacht hatten: Das Feld, auf dem man vor WM-Beginn den neuen Weltmeister hätte tippen sollen, hatten alle freigelassen. Es hatte sich einfach zu weit unten versteckt. Damit reduzierte sich das Spiel auf das bloße Tippen der Spielergebnisse.

Nach dem Abschluss der vier Viertelfinalspiele war auch unser Tippspiel schon entschieden. Ein findiger Kollege hatte flugs ausgerechnet, dass die emsigste Tipperin mittlerweile uneinholbar in Führung lag. Das lag zwar auch daran, dass zwischenzeitlich die halbe Redaktion mit Sommergrippe, Magenschleimhautentzündung und anderen unangenehmen Leiden flachlag und krankheitsbedingt keine Tipps abgeben konnte. Aber allein schon alle Partien zu tippen, ist eine Leistung, die gewürdigt werden muss. Erst recht, wenn sogar in der K.o.-Runde korrekt getippte Unentschieden dabei waren (siehe oben). Nun hoffen alle, dass der siegreichen Kollegin der Erfolg nicht zu Kopf steigt und sie die rekordverdächtige

Gewinnsumme in Höhe von 22 Euro nicht dazu nutzt, nie wieder arbeiten zu gehen. Wir brauchen sie ja noch.
Schlecht allerdings für den diversity-Faktor: Mit Gastgeber Russland flog am Samstag auch das letzte Land raus, das zumindest teilweise nicht in Europa liegt. Wobei das mit den Grenzen der Kontinente ja ohnehin so eine Sache ist. Georgien zum Beispiel ist

Wikipedia zufolge »ein eurasischer Staat an der Grenze zwischen Europa und Asien in Transkaukasien, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus gelegen«. Das klingt, als ob man sich die Sache mal genauer ansehen sollte. Und genau das wird die Redaktion Ihrer Lieblingswochenzeitung Ende August tun – die alljährliche Auslandsausgabe der Jungle World entsteht dieses Jahr in Georgien.

Die fertige Zeitung können Sie ab dem 6. September kaufen oder auf der Release-Party im Berliner Club »Acud macht neu« am 8. September bekommen.
Die WM-Fiebernden in der Redaktion haben es gleich bemerkt: Die Flaggen von England und Georgien ähneln sich frappierend.
Irgendwas mit Märtyrern und Kreuzfahrern soll wohl dahinterstecken. Genaueres dann in unserer Georgien-Ausgabe.