Kritische Astrologie - Der Osten und seine Macht über unser Leben

Wer zum Teufel hat damals den Trabbi zum Bahnhof gerollt?

Kolumne Von

Nächstes Jahr ist es so weit, dann ist 1989 genau 30 Jahre lang her – mitsamt der sogenannten friedlichen Revolution, die im Wesentlichen ­darauf hinauslief, dass die sozialistischen Verwaltungseliten auf dieses ihr Volk keine Lust mehr hatten. Wer könnte es ihnen verdenken?

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Als Rückblicksprognose lässt sich schon jetzt sagen, dass nächstes Jahr sehr viel aufgearbeitet, nachgefragt und eingeordnet werden wird – der Osten und wir, wie viele Köpfe stecken noch in der Mauer, wer hat den Trabbi zum Bahnhof gerollt, der Editorials wird kein Ende sein.

Die Feststellung, vor der sich aber alle, wirklich alle drücken werden, ist eine ganz einfache und simultan erschreckende: Der Osten hat gewonnen! Historisch, politisch, kulturell! Wenn jemals was dran war an der These von der zivilisierenden Macht des Kapitalismus (Francis Fukushima), dann fand sie spätestens mit der »Wende« ihr Waterloo, Golgatha und Mogadischu!

Politisch tanzte das ganze Land erst nach den Edikten der ostdeutschen Pfarrerstochter, dann nach den Parolen einer rechtsradikalen Graswurzelbewegung, die inzwischen ganze Bundesländer im Griff hat: Die Sachsen-CDU, die einst mit dem Gestus des Kolonialherren auftrat, ist von ihr komplett absorbiert. Die hilflosen Sticheleien eines Wolfgang Schäuble im Bundestag gegen die AfD zeigen, wie tief sich die westdeutschen Eliten in ihrer Arroganz haben blenden lassen. Wir sind kein west­liches Land mehr! Sich die Lage einzugestehen, heißt, Wege aus der Krise zu finden. Wenn wir uns angucken, wie der Osten historisch ­besiegt wurde, bleiben nur zwei Möglichkeiten: ein gnadenloses Wett­rüsten mit Option auf ein deutsch-deutsches Armageddon – oder die Organisation einer außerparlamentarischen Opposition in Kirchen, Pfarrhäusern und Gesangskreisen. Fraglich, von welcher Möglichkeit hier das größere Grauen ausgeht.