In Wuppertal soll ein großes islamisches Zentrum entstehen, das dem Salafismus nahesteht

Spenden für Segregation

In Wuppertal plant ein mutmaßlich salafistischer Verein ein millionenteures Jugendzentrum.

In Wuppertal, einem der Zentren salafistischer Aktivitäten in Deutschland, plant der »Islamische Förder- und Integrationsverein« (IFIV), auch bekannt unter dem Namen »al-Baraka«, den Kauf einer Immobilie im Wert von zwei Millionen Euro. Die erste Tranche von 400 000 Euro werde bis April benötigt. Dafür sammelt der IFIV Spenden. Das fragliche Gebäude im Stadtteil Vohwinkel, in dem der Verein gegenwärtig Mieter ist, soll unter anderem um einen überdachten Fußballplatz sowie ein Schwimmbad erweitert werden. Nach eigenen Angaben betreut der Verein derzeit 700 Flüchtlinge, den von ihm angebotenen Unterricht besuchen 130 Schüler.

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Nach Einschätzung der Islamismusexpertin Sigrid Herrmann-Marschall konsolidiere sich die salafistische Szene in Deutschland derzeit »auf hohem Niveau«. Zwar fehle es an einem von außen sichtbaren ideologischen Kopf in Wuppertal, aber nicht an einer Strategie. Man orientiere sich »auf die Betätigungen von und für Frauen und Kinder«. Die Einrichtung eines salafistischen Jugendzentrums passe perfekt in diese Strategie. »Sieht man da nicht genau hin, wird sich das Problem in der nächsten Generation vergrößern, denn Kinder sind durch eine fanatische Religionsauslegung leicht zu indoktrinieren«, sagte Herrmann-Marschall der Jungle World.

»Sieht man da nicht genau hin, wird sich das Problem in der nächsten Generation vergrößern, denn Kinder sind durch eine fanatische Religionsauslegung leicht zu indoktrinieren«

Der Spendenaufruf des Wuppertaler IFIV wurde auf dem Youtube-Kanal des islamistischen Hilfsvereins Ansaar International veröffentlicht. Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Inlandsgeheimdienstes ist die von dem Konvertiten und ehemaligen Rapper Joel Kayser gegründete Düsseldorfer Organisation »fest mit der deutschen Salafistenszene verwoben«. Dem Verein wurde aufgrund seiner Nähe zu islamistischen Terrororganisationen aus Syrien wie der Jabhat al-Nusra die Gemeinnützigkeit aberkannt. Im Umfeld des Vereins tummelten sich in den vergangenen Jahren Antizionisten wie Martin Lejeune (Jungle World 49/2016) und islamistische Prediger wie Muhamed Seyfudin Ciftci alias Shaik Abu Anas und Ahmad Armih alias Ahmad Abul Baraa.

In einer Mitte März veröffentlichten Stellungnahme wiesen die Verantwortlichen von IFIV alle Vorwürfe zurück. Sie betrieben ihre Jugendsozialarbeit »gerade in der schwersten Zeit der letzten Jahrzehnte«, nämlich »als ein endlos großer Flüchtlingsstrom dieses Land und damit auch die Stadt Wuppertal erreichte«. Ihre »sehr wertvolle Arbeit« in »Form von Sprachkursen, aber auch bei Behördengängen und nicht zuletzt als Unterstützung zum Aufbau einer Selbständigkeit« werde von den Verantwortlichen der Stadt nicht gewürdigt. Auch hätten sich die Stadtobersten »nie die Zeit genommen«, um mit dem Verein ernsthaft in einen Dialog zu treten. Auch der Vorwurf, der Verein betreibe Segregation und habe sich salafistischem Gedankengut zugewandt, habe keinerlei »nachvollziehbare Grundlage«.

Der Leiter des Wuppertaler Integrationsamts, Hans-Jürgen Lemmer, warnte allerdings bereits vor Jahren vor IFIV. »Der Verein ist mir hochsuspekt«, sagte Lemmer der Westdeutschen Zeitung. Der IFIV habe kein Interesse an der Integration von Muslimen in Deutschland. Nach Lemmers Angaben hatte der Wuppertaler Verein zudem auf seiner Internetpräsenz Seiten verlinkt, auf denen behauptet wurde, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 nur eine Inszenierung der USA gewesen seien. Einen der Prediger des Vereins, Abu Jibriel, ordnete die Islamismusexpertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur dem Salafismus zu. Jibriel stehe in engem Kontakt zu Abu Hamza, der bekannter ist unter seinem bürgerlichen Namen, Pierre Vogel.

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