Porträt - Iliana Hernández

Queer ohne Partei

Die kubanische Journalistin Iliana Hernández wurde bei einer unabhängigen Pride-Demonstration in Havanna festgenommen.

Improvisations- und Organisationstalent sind im Alltag der meisten Kubanerinnen und Kubaner stets gefragt, um über die Runden zu kommen. Eigenständige politische Organisation sieht die kubanische Regierung hingegen nicht gern. Am 11. Mai hatten sich in der Hauptstadt Havanna über 100 Menschen versammelt, um gegen Homo- und Transphobie zu demonstrieren. Sie kamen allerdings nicht weit, Ordnungskräfte hielten sie teils gewaltsam auf, um die nicht genehmigten Demonstration aufzulösen, und nahmen mehrere Menschen fest, darunter die Journalistin Iliana Hernández. Dem Nachrichtenportal Cibercuba, für das Hernández arbeitet und dessen Website in Kuba blockiert wird, erzählte sie später, sie habe die Demonstration gerade mit ihrem Handy gefilmt, als dieses ihr aus der Hand geschlagen und sie gewaltsam von zwei Polizistinnen in Zivil festgenommen worden sei. Sie verbrachte mehrere Stunden in Gewahrsam. Bei ihrer Entlassung sei ihr gedroht worden, dies sei ihre zweite Verwarnung, bei der dritten komme sie für ein Jahr ins Gefängnis.

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Die Zeiten nach der Kubanischen Revolution, in denen Homosexuelle in Kuba in Umerziehungslagern Zwangsarbeit leisten mussten, sind vorbei. Seit 1979 ist Homosexualität nicht mehr strafbar und die Wahrung der Rechte von LGBTI Staatsaufgabe. Die Direktorin des Nationalen Zentrums für sexuelle Aufklärung (Cenesex), das sich für LGBT-Rechte einsetzt, ist Mariela Castro Espín, die Tochter Raúl Castros. Das Cenesex war es auch, das in den vergangenen Jahren die Conga, den jährlichen Marsch gegen Homo- und Transphobie, organisierte. Dieses Jahr wurde die Conga allerdings abgesagt wegen der »neuen Spannungen im interna­tionalen und regionalen Kontext«, also der Verschärfung der US-Sanktionen. Die Organisatorinnen und Organisatoren der unabhängigen Pride-Demonstration beschimpfte Castro Espín am 13. Mai auf Facebook als »Lakaien des Söldneraktivismus« und als konterrevolutionär. Hernández sagte Ciber­cuba, sie habe nichts gegen Kuba, aber etwas gegen die Kommunistische Partei, und es sei Fidel Castro gewesen, der die Revolution verraten habe.

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