Imprint - Wie das Bauhaus nach Tel Aviv kam

»Ah, Bauhaus!«

Für Tel Avivs Weiße Stadt hat sich der Begriff Bauhaus etabliert. Damit wird nicht nur ein Stil behauptet, sondern zudem eine Kooperation zwischen Deutschland und Tel Aviv nahegelegt. Ein architekturgeschichtlicher Bezug zu der Weimarer Ausbildungsstätte fehlt jedoch. ­Alexandra Klei zeigt auf, wie aus einem Werbe-Claim ein Narrativ konstruiert wurde, das die Deutschen mit ihrer Geschichte versöhnt.

»Bauhaus Apartments« verspricht ein kleines, über einer Tür angebrachtes Schild am zentralen Magen-David-Platz. Das Gebäude wurde in den zwanziger Jahren in eklektizistischem Stil errichtet, rund ein Jahrzehnt bevor die Architektur des europäischen Neuen Bauens das allgemeine Baugeschehen der Stadt zu prägen begann. 1919 in Weimar gegründet und ab 1925 in Dessau weitergeführt war das Bauhaus zunächst eine Ausbildungsstätte. Mit ihr sollte die bisher praktizierte Grenzziehung zwischen Kunst und Handwerk aufgelöst werden. Dies sollte zu deren Zusammen­führung im Gestaltungs- und Arbeitsprozess führen.

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In der Konsequenz wurden nicht nur neue Ansätze für eine Über­setzung von Funktionen in Formen entwickelt, sondern auch ein Verständnis von der Zusammenarbeit in Gemeinschaften, das neu in der Ausbildung von Architekten, Designern und Künstlern war. Nach einem weiteren Umzug 1932 nach Berlin wurde die Schule dort nur ein Jahr später aufgelöst. Heutzutage gilt das Bauhaus als die Wiege der Moderne in Architektur, Design und Fotografie.

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