Small Talk über den Vierstundentag

»Das Kapital muss zahlen«

Die 4-Stunden-Liga fordert die Einführung des Vierstundentags bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Auf dem bevorstehenden Bundeskongress der ­Gewerkschaft Verdi, der vom 22. bis zum 28. September in Leipzig stattfinden soll, stehen Anträge des Bündnisses zur Diskussion. ­Christopher Hilbert hat mit der Jungle World gesprochen.
Interview Von

Um was geht es in Ihren Anträgen?
Es sind insgesamt vier Anträge, die wir auf dem Bundeskongress zur Diskussion stellen. Sie sind mehr oder weniger wortidentisch. Wir fordern in allen den Vierstundenregelarbeitstag bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Ein weiteres Kernstück ist: Wir rufen den Gewerkschaftsrat und den Bundesvorstand dazu auf, in den nächsten vier Jahren eine sowohl innergewerkschaftliche als auch gesellschaftliche Debatte über radikale Arbeitszeitverkürzungen anzustrengen.

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Wie schwer war es, diese Anträge einzubringen?
Um vier Anträge bis zum Verdi-Bundeskongress durchzubringen, muss man verschiedene Stationen absolvieren, von der bezirklichen Ebene über die Landesebene bis zur Bundesebene. Man muss einen Antrag immer wieder vor verschiedenen Delegierten aus verschiedenen Verdi-Bereichen verteidigen, also vor Reinigungskräften, Müllwerkern, Pflegekräften und anderen. Meistens waren un­sere Anträge allerdings die einzigen, die kontrovers diskutiert wurden. Die anderen wurden entweder diskussionslos angenommen oder abgelehnt.

Veränderungen in der Arbeitswelt dienen meist dazu, das kapitalistische Wirtschaften effizienter zu machen. Wie will Ihre Gruppe verhindern, dass auch Ihr Vorhaben in einen kapitalistischen Modernisierungsschub integriert wird?
Man muss eine Kost servieren, die denjenigen nicht schmeckt, die für die Kalkulation kapitalistischer Modernisierungsschübe zuständig sind, und die zugleich ein Appetitanreger für diejenigen ist, die sich solchen Prozessen nicht ohne weiteres ausliefern wollen. Wir fahren bisher gut mit unserem Kurs und können uns den Luxus der Kompromisslosigkeit leisten. Der Vierstundentag, voller Lohn- und Personalausgleich und das – nennen wir es mal – Finanzierungsmodell »Zahlen muss das Kapital« gehören bei uns zusammen. Damit wollen wir Diskussionen anzetteln, möglichst weitreichend, möglichst penetrant – und möglichst charmant.

Kürzlich wurde in Berlin eine Sektion der 4-Stunden-Liga gegründet. Wie war die Resonanz?
Wir hatten uns ein sehr gemischtes Publikum erhofft und so kam es auch: Es kamen allerlei interessierte Personen, Kolleginnen und Kollegen von Verdi, von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und anderen Gewerkschaften, aber auch Mitglieder der Linksjugend, der Falken und von linken Gruppen.

Seit wann gibt es die 4-Stunden-Liga?
Das Bündnis gibt es seit 2016. Es ging aus von der »Brigade August Spies International«, die sich nach dem nordhessischen Sozial­revolutionär August Spies benannt hat, der in Chicago 1886 den Achstundentag gefordert hat. 2017 haben wir leicht vermessen das Jahr des Vierstundentags ausgerufen. Es scheint aber, wie auch im Jahr 1886, ein längerfristiges Projekt zu werden.

Wo gibt es noch Sektionen der 4-Stunden-Liga?
In Kassel und Frankfurt. Außerdem stehen weitere Informationsveranstaltungen an. Und wer Interesse hat, soll sich melden – wir werden kommen!