Prinzessin Latifa aus Dubai will keine moderne Rapunzel sein

In Dubai wider Willen

Porträt Von

Dubai ist ein heiterer Ort. Jedenfalls ist es das für die Menschen aus aller Welt, die es sich leisten können – und wollen –, ihre Ferien unter der ständig strahlenden Sonne des Persischen Golfs in Luxushotels zu verbringen, das höchste Gebäude der Welt zu besuchen und sich durch ein Erdpanorama aus künstlich angelegten Inseln schippern zu lassen. Wie märchenhaft muss man sich es da vorstellen, solchen Luxus von Geburt an zu erleben, zum Beispiel als Spross der unermesslich reichen Herrscherfamilie al-Maktum? Wohl eher weniger, stellte sich eben erneut heraus, zumindest wenn man ein weibliches Mitglied dieser Familie ist. Eine der älteren Töchter von Scheich Muhammad bin Raschid al-Maktum, Shamsa al-Maktum, floh 2000 von einem Anwesen der Familie in der englischen Grafschaft Surrey, wurde von Häschern aufgegriffen, nach Dubai entführt und lebt offenbar seitdem in Gefangenschaft. 2019 floh Haya Bint al-Hussein, die jüngste Frau des Scheichs, mit ihren zwei Kindern nach England, reichte dort die Scheidung ein und verklagte ihren Mann erfolgreich wegen Einschüchterung. Vorige Woche tauchten Videos von Prinzessin Latifa al-Maktum auf, die internationale Medien, unter anderem die BBC-Investigativserie »Panorama«, aufgriffen. Latifa hat sie offenbar heimlich aufgenommen und dann ihren engsten Vertrauten übermittelt. Sie erklärt darin, dass sie in einer von Polizisten umstellten Villa festgehalten werde und um ihr Leben fürchte.

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Entstanden sind die Videos etwa ein Jahr nach Latifas Fluchtversuch im Jahr 2018, den sie mit Hilfe einiger Vertrauter jahrelang geplant hatte und der mit ihrer Entführung nach Dubai durch Agenten ihres Vaters endete. Das Menschenrechtsbüro der UN sah die Furcht der Prinzessin um ihr Leben vorige Woche als glaubwürdig genug an, um die Vereinigten Arabischen Emirate offiziell aufzufordern, ein Lebenszeichen Latifas zu veröffentlichen. Nach drei Tagen ließ sich die Familie zu der Erklärung herab, Latifa gehe es gut und sie werde zu Hause medizinisch betreut. Das geforderte Lebenszeichen lässt allerdings auf sich warten.