»Scorpio Scorpio« von Cliquey Bitches

Für immer Punk

Platte Buch Von

Wohl kaum ein Genre bringt ein solches Renegatentum hervor wie Punk– oder ein solches Bedürfnis, nach erfolgtem Austritt aus der ­Szene zu betonen, der eigenen Vergangenheit entwachsen zu sein und sich von der früheren Attitüde und dem zugehörigen Musikgeschmack verabschiedet zu haben. Umso beachtlicher ist es, wenn ­Angehörige gleich mehrerer Generationen zusammenfinden, die nie abgeschworen und bereits für sich allein bewiesen haben, dass Punk als Haltung durchaus langlebig sein kann.

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Im Fall von Cliquey Bitches aus Los Angeles wurde aus der Begegnung dreier solcher Individuen – Alice Bag, Allison Wolfe und Seth Bogart – eine Band, die standesgemäß aus dem Moment heraus entstanden ist. Die einzelnen Beteiligten brachten eine Menge mit: Bag sang Ende der siebziger Jahre bei der kalifornischen Punk-Legende The Bags, Wolfe anderthalb Jahrzehnte später bei den Riot-Grrrl-Mitinitiatorinnen Bratmobile aus Olympia, die wiederum der in den neunziger Jahren Heranwachsende Bogart aus Tucson hören sollte, bevor er dann unter anderem bei Gravy Train spielte.

»Scorpio Scorpio«, die im Herbst 2020 erschienene erste EP des Trios, klingt zum Glück weder wie eine nostalgische Mischung aus all diesen Bands noch wie ein subkulturellem Spießertum verpflichtetes Plädoyer zum Sich-treu-Bleiben. Wolfes Gesang führt in einer knappen Viertelstunde durch sechs Songs, während Bags Keyboard und Bogarts Gitarre für melodiöse Erquickung sorgen. Das ist so heiter wie selbstbewusst, und im Gegensatz zum Abgrenzung nahelegenden Bandnamen besteht die Einladung zum Mitsingen vom ersten Stück an. Überhaupt macht die EP den Eindruck, als gingen gerade noch Unbekannte im Club freundlich auf einen zu, damit man prompt mit ihnen in dieses Credo einstimmt: Für immer Punk – koste es, was es wolle. Das nimmt man Cliquey Bitches tatsächlich gerne als Versprechen ab, und sei es nur für heute.

Cliquey Bitches: Scorpio Scorpio (Fettkakao)