Das Album »Florist« von Florist

Impressionen von Emily

Platte Buch Von

Florist gehören zu den vielen Musik-Acts, bei denen unklar ist, ob es sich eigentlich um einen Bandnamen oder einfach um das Pseudonym in diesem Fall der Songwriterin handelt, die aber meist mit Begleitband in Erscheinung tritt. Diese Verwirrung wurde im Falle Florist noch dadurch verstärkt, dass das dritte Florist-Album von 2019 mit »Emily Alone« betitelt war, denn Emily A. Sprague spielte es erstmals alleine ein, vor allem ausgerüstet mit ihrer Akustikgitarre. Es handelt sich um ein stilles, direktes und wunderschönes Folk-Album, das an Nick Drakes »Pink Moon« oder Elliot Smiths »Either/Or« erinnert – der herzzerreißende Song »Moon Begins« über den Tod von Spragues Mutter sticht besonders heraus. Die Frage nach dem Namen macht sie einem weiterhin nicht leicht, veröffentlicht sie doch auch Alben unter ihrem bürgerlichen ­Namen, zuletzt »Hill, Flower, Fog« (2020). Allerdings bestehen diese aus Klangcollagen, Drones und Ambient-Stücken, meist komponiert mit Modular­synthesizer und stets ohne Gesang.

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Für das neue, schlicht »Florist« betitelte Album hat sich Sprague wiederum mit ihren Freunden Rick Spataro (Bass), Jonnie Baker (Gitarre) und Felix Walworth (Schlagzeug) von Brooklyn ins Hudson Valley zurückgezogen, wo sie die Platte in Eigenregie aufnahmen und viele der 19 Stücke überhaupt erst durch Improvisation und kollektiv entstanden, eben als Band. Nur bei neun der Tracks handelt es sich um Songs im konventionellen Sinn, zwischen die sich mal skizzenhafte, mal ausgearbeitete instrumentale Stücke geschlichen haben, die wie Impressionen anmuten (­inklusive field recordings aus der Natur). Gerade diese flüchtigen inter­ludes sorgen dafür, dass die Stimme von Sprague daneben noch stärker zur Geltung kommt. Diese Kombination ergibt eine entrückte, intime ­Indiefolk-Platte, die ihren Höhepunkt erreicht, wenn das Lied »Sci-fi Silence« in ein sanftes, mehrstimmiges Crescendo mündet, in dem Sprague und ihre Mitstreiter über Minuten wiederholen: »You’re not what I have, but what I love – come.«

Florist: Florist (Double Double Whammy)