Das Private als Verkaufsargument
Als die Politologin Emilia Roig 2016 noch weitgehend unbekannt war, gab sie Hengameh Yaghoobifarah ein Interview zum Thema »Antirassistische und postkoloniale Perspektiven auf Reproduktion«. Roigs in dem Gespräch aufgestellte These: In Europa und den USA lebe eine Tradition der Eugenik fort, die es »Women of Color« schwer mache, Kinder zu bekommen.
Das Recht auf Selbstbestimmung schließe nicht nur den Abbruch einer Schwangerschaft ein, sondern auch, »so viele Kinder zu haben wie erwünscht«. Geburtenvermeidung setzte sie in Bezug zu dem Begriff des Genozid, um von da aus auf »Assimilierungspraktiken« zu sprechen zu kommen, die zur »Vernichtung der Kultur« und der »Vernichtung der Völker« führe. Ihr Fazit: Der Schwerpunkt auf »Pro Choice, Recht auf Abtreibung, Recht auf die Pille, Recht auf Verhütung« sei ein Problem, denn das seien die »Interessen der weißen Mittelschichtsfrauen«. Roigs Aussagen klingen wie das bizarre Programm eines antirassistischen »Marschs für das Leben«.
»Ich wässere sie vorsichtig, räuchere sie sanft mit Palo Santo oder Salbei ein und spiele eine Playlist für sie ab«, erzählt Roig über ihre Topfpflanzen.
Überraschen müssen einen solche Aussagen aber nicht: Seit Jahren wird unter postkolonialem Vorzeichen alles an Emanzipation relativiert und denunziert, bis selbst die barbarischsten Regime als irgendwie annehmbar erscheinen – Hauptsache, sie sind nicht von der Aufklärung oder vom Westen geprägt. Kein Zufall ist es also, dass sich Roig in den vergangenen Jahren auch durch ihren Anti-Israel-Aktivismus hervorgetan hat. In sozialen Medien verteilte sie Likes an terrorverherrlichende Gruppierungen, zudem ist Roig eine der Nachplapperinnen der Behauptung, der Krieg gegen die Hamas sei ein »Genozid«.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::