Sklaven der Cyberkriminalität
Im Schatten des Bürgerkriegs, der seit dem Militärputsch in Myanmar am 1. Februar 2021 in vielen Regionen des Landes tobt, hat sich im Land eine im großen Maßstab agierende Cyberkriminalität entwickelt.
Derzeit richten sich die Blicke vor allem auf Myawaddy. Die Stadt an der Grenze zu Thailand und ihre Vororte, vor allem die direkt am Grenzfluss Moei liegende Gemeinde Shwe Kokko, sind zum Zentrum der Cyberkriminalität in ganz Südostasien geworden. In einer koordinierten Aktion haben Thailand, China und Myanmar in den vergangenen Wochen Tausende Zwangsarbeiter aus den in Myawaddy und Umgebung ansässigen Betrugszentren befreit. Unter falschen Versprechungen waren diese modernen Sklaven dorthin gelockt oder verschleppt und zur Arbeit als Online-Betrüger gezwungen worden, teils unter Einsatz von Folter. Die aus Myawaddy getätigten Online-Betrügereien umfassen Scheininvestitionen, illegale Glücksspiele und sogenanntes romance scamming, bei dem den Opfern auf Dating-Portalen eine Liebesbeziehung vorgetäuscht wird, um sie finanziell auszunutzen.
Zwangsarbeiter berichteten davon, Elektroschocks erhalten zu haben und mit Stahlknüppeln verprügelt worden zu sein.
Thailands Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra sprach am 19. Februar von 7.000 Geretteten, die auf ihren Transfer ins Nachbarland warteten. Die thailändische Polizei bereite sich sogar auf den Empfang von bis zu 10.000 Menschen vor, hieß es. Die bisher Befreiten kommen aus rund 20 Staaten. Neben Chinesen, Thailändern, Indern und Pakistanis sind auch Bürger mehrerer afrikanischer Staaten darunter. Die ersten, die am 20. Februar den Grenzfluss nach Thailand überquerten, waren chinesische Staatsbürger. Insgesamt 200 wurden noch am selben Tag vom Flughafen Mae Sot nach China ausgeflogen.
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