Jungle+ Artikel 27.03.2025
Für junge Feministinnen in Japan sind unabhängig produzierte Zines ein wichtiges Medium

Feminismus selbst gemacht

In Japan boomt die Zine-Szene. Junge Feminist:innen nutzen das Medium, um ihren politischen Forderungen, gemeinsamen Theoriediskussionen und Erfahrungen mit Sexismus im Alltag Ausdruck zu verleihen.

Mehrere Hundert Aussteller:innen reihen sich an langen Tischen aneinander, die Hallen sind gefüllt mit Büchern, Zeitschriften und sich langsam vorarbeitenden Besucherströmen. Selbstproduzierte Gedichtbände, illustrierte Zines und gesellschaftskritische Schriften liegen aus. Das ist das Bunfree in Tokio, das größte Festival für Kleinstverlage und DIY-Literatur in Japan, das dort dieses Jahr zum 40. Mal stattfindet, aber auch in anderen Städten abgehalten wird.

Entgegen dem generellen Abwärtstrend von Printmedien steigt die Zahl der unabhängig produzierten Werke in Japan seit Jahren stetig an. Zines sind hier ein Trendmedium der jüngeren Generation. Seit ihren Anfängen als literarische Vereinszeitschriften und Science-Fiction-Fanzines zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandelten sich die selbstproduzierten Kleinpublikationen von gesellschaftskritischen Traktaten der japanischen Studierendenbewegung und Diskussionsmedien der zweiten feministischen Welle in Japan hin zu selbstproduzierten Manga- und Punkzines. Zines etablierten sich in den verschiedensten Sub- und Gegenkulturen Japans.

Auch das Aufkommen von sozialen Medien konnte ihre Bedeutung nicht schmälern, die Veröffentlichungen werden weiter verkauft und getauscht. Es ist gerade das Unperfekte der analogen Welt, das den Werken ihren ästhetischen Reiz verleiht: von Hand gebunden, mit Stickern, Zeichnungen und bunt gestalteten Verpackungen versehen oder durch Risographdruck veredelt.

Bei Aktionen für Obdachlosen- und Arbeiterrechte begegneten Mädchen und Frauen primär männlichen Aktivisten, sexueller Diskriminierung und dem Druck der Geschlechtsrolle.

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