Der Roman beginnt mit einer Alltagsszene: Mona eröffnet Jostein, ihrem Ehemann und Vater des gemeinsamen Sohns, dass sie eine Trennung auf Probe will. Der Zeitpunkt ist delikat. Am nächsten Morgen muss Jostein nach Kopenhagen zu einem Vortrag. Von dort kehrt er allerdings nicht zurück. Die Polizei benachrichtigt Mona, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will.
In der Rückschau erzählt Mona, wie es so weit gekommen ist: Als Verlagslektorin und Journalistin rackert sie sich ab und ernährt die Familie. Jostein hat sein Studium geschmissen und das Studiendarlehen mit ihrer Hilfe abgestottert. Eine Anwohnerinitiative wird zu ihrem gemeinsamen Projekt. Das verwahrloste Osloer Stadtviertel Tøyen, in das das Paar der billigen Mieten wegen gezogen ist, soll zu einem besseren Ort werden. Es muss doch möglich sein, in diesem von Zuwanderern und Geflüchteten bewohnten Stadtteil Zusammenhalt und Gemeinsamkeit zu schaffen! Und es gelingt tatsächlich. Doch das spricht sich herum, die Presse berichtet, Lokalpolitiker kreuzen auf und wollen den Erfolg für ihre jeweilige Partei verbuchen. Tøyen kommt in Mode, die Mieten steigen, schicke Bars eröffnen. Die Menschen, um die es Mona und Jostein ging, verkriechen sich oder müssen wegziehen. Als Mona Zweifel sowohl an dem Projekt als auch an der Beziehung äußert, geraten die Dinge in Bewegung.
Der norwegische Autor Bjarte Breiteig, der sich mit Erzählungen und seinem Roman »Meine fünf Jahre als Vater« einen Namen gemacht hat, erzählt in »Der Tøyen-Effekt« von Idealen und bürgerschaftlichem Engagement, das irgendwann an eine Grenze kommt. Detailliert zeigt er die Entwicklung eines Stadtviertels auf: vom Armutsghetto zu einem besseren Ort, der für die Bewohner dann aber nicht mehr zu bezahlen ist. »Der Tøyen-Effekt« ist spannend und witzig geschrieben und nimmt am Ende eine unerwartete Wendung.
Bjarte Breiteig: Der Tøyen-Effekt. Aus dem Norwegischen von Bernhard Strobel. Luftschacht-Verlag, Köln 2025, 346 Seiten, 26 Euro