Antiimperialistische Imperialisten
Seit dem Ende des Iran-Irak-Kriegs 1988 hat die Islamische Republik Iran keinen militärischen Angriff auf ihr Territorium mehr erlebt. Das ist erstaunlich, war doch Krieg nach innen und außen seit jeher Grundprinzip des Regimes. Im Irak, im Jemen, in Syrien, im Libanon, in Israel und dem Gaza-Streifen mordeten iranische Kräfte und ihre Stellvertreter im Namen des »Antiimperialismus«.
Das Regime erfüllte zumindest diese vulgärmarxistische Forderung. Diejenigen Linken, die zuvor beim Massenaufstand gegen den Schah auf eine strategische Allianz mit dem Klerus vertraut hatten, verloren hingegen alles: Sie verschwanden in Gefängnissen, wurden gefoltert, mussten ins Exil gehen und blieben in der Folge oft sprachlos und desillusioniert.
Für die kurdische Bewegung kam die islamische Machtübernahme nach dem Sturz des Schahs 1979 wenig überraschend.
Für die kurdische Bewegung in Rojhelat (Kurdisch für »Osten« in Bezug auf Ostkurdistan, also den Nordwesten des Iran) kam die islamische Machtübernahme nach dem Sturz des Schahs 1979 weniger überraschend. Linke Peshmerga der DPKI (Kurdische Demokratische Partei des Iran) und der Komala-Partei verteidigten kurdische Gebiete gegen die Islamische Republik, während Ayatollah Khomeini die Kurden zu Feinden Gottes erklärte.
Im Gegensatz zu jenen Iranern, die in der Frühzeit des Regimes zwischen Anpassung und Hoffnung auf Reform schwankten, waren die kurdischen Kräfte illusionsloser und wollten einen konsequenten Bruch mit dem persischen Imperialismus. So entstanden in Saqqez, Mahabad und Baneh früh erste Formen lokaler Selbstverwaltung und bewaffnete kurdische Fraueneinheiten – trotz militärischer Bedrohung.
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