Jungle+ Artikel 26.06.2025
Die Memoiren von Josephine Baker kritisieren Rassismus und schüren Antisemitismus

Befremdlich und authentisch

Sie sang und tanzte in Paris, spielte in Filmen, kämpfte in der Résistance gegen die Nazis und skandalisierte den Rassismus in den USA: ­Josephine Baker war der erste schwarze Weltstar. In ihren kürzlich neu aufgelegten Memoiren »Tanzen, Singen, Freiheit« lässt sich allerdings auch eine heftige antisemitische Tirade finden.

»Kaum einer Kunst nähert sich der Europäer dermaßen misstrauisch«, schrieb der Autor und Kunsthistoriker Carl Einstein 1915 über die Fas­zination seiner Zeitgenossen für die künstlerischen Arbeiten von Schwarzen. Die einen stülpten diesen einen »Fehlbegriff von Primitivität« auf, so Einstein weiter, »andere wiederum putzten an dem hilflosen Objekt so überzeugend falsche Phrasen auf, wie Völker ewiger Urzeit«. Der Exotismus, der sich auch in der Kunst europäischer Maler wie Henri Matisse oder Paul Gauguin niederschlug, basiere auf »einer unbedingten, ­geradezu phantastischen Überlegenheit«.

Entsprechende Erwartungen des Publikums jener Zeit machte sich Josephine Baker zunutze, als sie 1925 nach Paris kam und in den ersten Jahren ihrer Karriere in jenem Bananenrock auftrat, den bis heute die meisten mit der 1906 geborenen Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin verbinden. Sie inszenierte sich als wilde Exotin, wie es das Publikum von ihr erwartete, und wurde damit zum ersten schwarzen Weltstar. Als sie das Spiel mit den Klischees nicht mehr nötig hatte und sich davon befreien wollte, wirkte sie diesem Image unter anderem mit mehrere Autobiographien entgegen, von ­denen eine, die in jahrelangen Gesprächen mit dem Journalisten Marcel Sauvage entstandenen, zuerst 1949 veröffentlichten Memoiren, nun anlässlich ihres 50. Todestags unter dem Titel »Tanzen, Singen, Freiheit« neu aufgelegt worden sind.

Die bekannteste Frau der Welt

»Ich lüge nicht, ich mache das Beste aus meinem Leben«, warnt Baker ihre Leser. In der Tat ist finden sich im Buch zahlreiche Gedanken- und Zeitsprünge, historische Unkorrektheiten, Entschuldigungen für Erinnerungslücken und auch die Auskunft, über bestimmte Themen wolle sie lieber schweigen. »Ich musste Miss Baker zahlreiche Besuche abstatten«, erinnert sich Marcel Sauvage in seiner Einführung, »denn sie erinnert sich nicht gern. Sie lebt im Hier und Jetzt.«

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