10.07.2025
Schatten, Kaffee, Bücher – ein Nachmittag im Literarischen Colloquium am Wannsee

Der analoge Mann

Aus Kreuzberg und der Welt: Am Wannsee

Am Samstagnachmittag wissen Julia und ich nichts mit uns anzufangen. Zum Glück hat unsere Freundin Anne-Jule die Idee, zum Literarischen Kolloquium zur Veranstaltung »Kleine Verlage am Großen Wannsee 2025« zu fahren. Eine »Gartenmesse mit mehr als 40 Verlagen«. Julia und ich dürfen uns anschließen und brechen auf.

Im Bus ist es zu heiß, die Klimaanlage ist ausgefallen. Verschwitzt steigen wir nach zwei Stationen um in die U- und dann in die S-Bahn. Schon an der Yorckstraße füllt die Bahn sich mit Teenagern, Touristen und Familien mit Kindern. Ausflüglern, die es auch Richtung See zieht. Lauter Zille-Karikaturen. Viel zu laut sind sie und irgend­jemand hat sich nicht gewaschen. Julia sitzt, ich muss stehen. Aber dann geht es doch schnell und wir sind am Bahnhof Wannsee. Oh nein! Ein Teenager hat seinen Rucksack in der Bahn vergessen, rennt wieder hoch auf den Bahnsteig. Zum Glück haben wir nichts damit zu tun.

Schon an der Yorckstraße füllt die Bahn sich mit Teenagern, Touristen und Familien mit Kindern. Ausflüglern, die es auch Richtung See zieht. Lauter Zille-Karikaturen.

Ein paar Minuten entfernt vom S-Bahnhof residiert das Literarische Kolloquium in einer großen Villa direkt am Wasser. Wir schauen uns ein bisschen an den verschiedenen Ständen um und setzen uns dann in den Garten, um die Lesungen zu hören. Anne-Jule ist noch nicht da. Wir zücken unsere Stifte und fangen an zu zeichnen. Ich koloriere jetzt immer unmittelbar mit meinen ­neuen Pinselstiften, befüllt mit zu Hause angemischten Aquarellfarben. Zuerst hören wir Katharina Hacker, die aus »Handbuch für Traurigkeiten. Minutenessays« (Berenberg-Verlag) liest. Danach lesen weitere im Viertelstundentakt.

Ich denke, jetzt könnte zur Abwechslung mal einer der Zille-Typen aus der U-Bahn eine seiner Storys vortragen. Aber eigentlich sind wir sehr zufrieden damit, hierher gekommen zu sein. Es ist herrlich lauschig im Halbschatten und mit Blick auf den Wannsee. Die Anfahrt hat sich gelohnt.

Sehr schön illustrierte Maro-Hefte

Dann kommt Anne-Jule und bringt uns auch gleich zwei Tassen Kaffee. Marie-Louise Monrad Møller liest aus »Schlaf. Ein literarischer Essay« (Maro-Verlag). Ein Reisebericht über das Thema Schlaf. Ich kaufe mir später das Heft am Verlagsstand. Die sehr schön illustrierten Maro-Hefte sind eine echte Entdeckung.

Am frühen Abend lässt Singer-Songwriter Hannes Wittmer den Tag mit seinen melancholischen Songs ausklingen. Spielt im Sonnenuntergang. Fast zu kitschig. But who’s complaining? Wir nicht.

Tiefenentspannt fahren wir zurück in Richtung Kreuzberg. Nach ein paar Stationen krächzt es aus dem Lautsprecher: »Bitte alle aussteigen. Der Zug endet hier, weil eine Person auf den Gleisen steht.« Wir steigen um in die U-Bahn, die voll ist mit Samstagnacht-Party-People, machen einen riesigen Umweg über den Bahnhof Zoo, steigen noch zweimal um und kommen fast zwei Stunden später erschöpft endlich wieder zu Hause an.