Jungle+ Artikel 10.07.2025
Das iranische Regime reagiert auf den militärischen Kontrollverlust mit Repression nach innen

Praktische Entmystifizierung

Die erfolgreichen israelischen Militärschläge und die offensichtliche Infiltration der Nachrichtendienste haben der Islamischen Republik Iran nicht nur auf militärischer Ebene geschadet. Der Mythos der Stärke und Wehrhaftigkeit des Regimes ist stark beschädigt, das könnte eine politische Legitimitätskrise nach sich ziehen.

Zwar haben Israel und der Iran vor zwei Wochen offiziell eine Waffenruhe vereinbart, der Lärm von Drohnen, Luftabwehrmaßnahmen und vereinzelten Explosionen stört aber weiterhin die Einwohner von Teheran und vieler anderer Städte im Iran. Und die wenigsten Bürger sind davon überzeugt, dass der Krieg wirklich zu Ende ist.

Israels Blitzangriff auf den Iran war nicht nur einer der bislang ungewöhnlichsten Konflikte des 21. Jahrhunderts, sondern zerstörte auch den Mythos der militärischen und sicherheitspolitischen Stärke der Islamischen Republik Iran, den diese in den vergangenen Jahrzehnten kultiviert hatte. Dass Israel so einfach in den iranischen Luftraum eindringen konnte und die nachrichtendienstliche Verteidigungsinfrastruktur des Landes sich als hochgradig infiltriert herausstellte, war ein Triumph: Die Islamische Republik erwies sich zum ersten Mal auf ihrem eigenen Boden als verwundbar.

Seit Israels Angriff hat es im Iran mindestens sechs Hinrichtungen – unter den Opfern waren mindestens drei Kurden – und mehr als 1.000 Verhaftungen gegeben.

Nun versucht die Führung, den offenbaren Kontrollverlust durch Repression im Inneren zu kompensieren. Seit den israelischen Militärschlägen hat es mindestens sechs Hinrichtungen (unter den Opfern waren mindestens drei Kurden) und mehr als 1.000 Verhaftungen gegeben. Es werden Droh-SMS verschickt, die die Bürger davor warnen, israelischen Social-Media-Accounts zu folgen; das Spionagegesetz wurde geändert, so dass es noch mehr Spielraum für willkürliche Verurteilungen und härter Strafen bietet; es gibt schwere Internetausfälle und -störungen; über 100.000 afghanische Flüchtlinge wurden des Landes verwiesen – und all das sind nur einige Beispiele dafür, wie das Regime die Bevölkerung unter Druck setzt.

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