Jungle+ Artikel 10.07.2025
Ahmet Toprak, Erziehungswissenschaftler, im Gespräch über sein Buch »Toxische Männlichkeitsbilder in muslimischen Milieus«

»Religiöse Einstellungen und kulturelle Elemente werden oft durcheinander gebracht«

Der Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak analysiert in seinem Buch »Toxische Männlichkeitsbilder in muslimischen Milieus«, wie autoritäre und traditionelle Erziehung in Teilen muslimischer Milieus zu schädlichen Männlichkeitsbildern führen. Im Gespräch mit der »Jungle World« betont er dabei die Vielfalt muslimischen Lebens. Mit Hilfe der »konfrontativen Pädagogik« entwickelt er konkrete Vorschläge, um Radikalisierung entgegenzuwirken und vielfältige Männlichkeitsbilder zu fördern.

Was sind Beispiele für toxische Männlichkeitsbilder in muslimischen Milieus?
Toxische Männlichkeitsbilder entstehen, wenn an sich neutrale oder positive Werte wie Ehre oder Freundschaft im Kontext von hegemonialer Männlichkeit interpretiert werden. Dann werden sie so ausgelegt, dass sie entweder den Jungen und jungen Männern selbst oder den Mädchen und jungen Frauen schaden. Beispielsweise wird der Wert der Ehre häufig auf die Kontrolle der Sexualmoral von Frauen reduziert, obwohl er eigentlich vielschichtiger ist und auch Ansehen und Würde umfasst.

Wie wichtig ist eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen muslimischen Milieus für das Verständnis toxischer Männlichkeit?
Die muslimische Minderheit in Deutschland ist sehr heterogen. Nicht alle als muslimisch markierten oder gelesenen Menschen sind auch religiös; manche sind gar nicht, manche sehr religiös. In meinem Buch konzentriere ich mich primär auf Milieus, in denen traditionelle Geschlechterrollen vorherrschen und die Partizipation oder soziale und kulturelle Integration in Deutschland weniger ausgeprägt ist.

Islamkritiker sprechen oft nur von »dem Islam« oder »den Muslimen«. Was halten Sie davon im pädagogischen Kontext?
Es gibt weder »den Islam« noch »die Muslime«. Die muslimische Gesellschaft in Deutschland ist sehr komplex und differenziert. Nicht alle sind, wie gesagt, streng religiös, daher spreche ich in meinem Buch von »muslimischen Milieus«. Niemand würde etwa von »den Christen« oder »dem Christentum« sprechen. Solche Pauschalisierungen benachteiligen und stigmatisieren nicht nur im Bildungskontext.

»Die Inszenierung von Männlichkeit auf sozialen Medien ist oft eine Show, die wenig mit der Realität zu tun hat und auf maximale Aufmerksamkeit abzielt.«

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