17.07.2025
Hoffen auf klimafreundliche Klimaanlagen

Fluch und Segen

Die Hitze macht besonders Kindern und älteren Menschen schwer zu schaffen, da können klimatisierte Räume ein wahrer Segen sein. Leider tragen Klimaanlagen zur weiteren Erhöhung der Außen­temperaturen bei.

Alles wäre viel einfacher, wenn nicht diese lästigen Fakten wären. Und es stattdessen die eine – idealerweise die eigene – Weltanschauung gäbe, die Antworten und damit Lösungen für alle Probleme bietet, vorzugsweise technische, wie beispielsweise Klimaanlagen. In einer dergestalt idealen Welt würde beispielsweise niemand im Sommer in einer überhitzten Wohnung um Schlaf ringen. Vielmehr gäbe es ein Grundrecht auf angenehme Temperaturen, das mit Klimaanlagen durchgesetzt würde, und wo das nicht geht, beispielsweise im Freien, wäre Arbeit bei Hitze verboten.

Womit man zu den Fakten käme, die in diesem Fall besonders lästig sind: Gegen die Auswirkungen des Klimawandels, konkret also heißere Sommer in Ländern, deren Infrastruktur und Lebensweise darauf nicht eingerichtet sind, würden Klimaanlagen für alle zwar helfen, aber zugleich das Grundproblem verstärkten.

2003 gab es während der damaligen Hitzewelle mehr als 14.000 Hitzetote allein in Frankreich – damaligen Berichten zufolge übrigens auch, weil speziell Senioren in den Städten von ihren in Urlaub fahrenden Verwandten alleingelassen worden waren. Wären Klima­anlagen für alle in solchen Situationen nicht die perfekte Lösung?

2003 gab es während der damaligen Hitzewelle mehr als 14.000 Hitzetote allein in Frankreich – auch weil Senioren in den Städten von ihren in Urlaub fahrenden Verwandten allein gelassen worden waren.

Nein, denn einer Untersuchung zufolge würde die Außentemperatur ­dadurch um bis zu 2,4 Grad ansteigen, da die Geräte, vereinfacht gesagt, Wärme nach draußen pumpen. Auch wenn die diesen Berechnungen zugrunde liegenden Voraussetzungen – jede Wohnung, jedes Haus, jeder in einem Gebäude gelegene Arbeitsplatz würde mit Klimaanlagen gekühlt – nicht sehr ­realistisch sind, da sich Hitze nicht überall gleich unangenehm staut, bleibt es dabei: Die Geräte verbrauchen – zumindest bislang – viel Strom und lassen Wärme nicht verschwinden, sondern geben sie nach draußen ab.

Aber geht der Schutz von Menschen, speziell Kindern, Kranken und Alten, nicht vor? In manchen Regionen der Welt sieht man das so. Die kanadische Stadt Toronto hat angekündigt, 500 Klimaanlagen kostenlos an arme Senioren und Seniorinnen abzugeben – was umgehend zu Kritik führte, die in nicht wenigen Fällen damit begründet wurde, dass Alte ja sowieso nicht mehr lange leben würden und es deshalb sinnlos sei, ihre Leben zu retten.

Das menschliche Verhältnis zur Natur

Interessanterweise kommt Kritik an Klimaanlagen immer dann auf, wenn es um Menschen geht. Der Deutsche Museumsbund hob die zum Schutz der dortigen Kunstwerke geltende Soll-Temperatur von maximal 21 Grad Celsius erst 2023 um vier Grad an – der Konservierungswissenschaftler Jonathan Ashley-Smith hatte ja schon 1994 unter dem Titel »Let’s Be Honest« ­einen Text veröffentlicht, in dem er darauf hinwies, dass die meisten Kunstschätze bei etwas höheren Temperaturen kaum Schaden nehmen würden.

Geht es um das menschliche Verhältnis zur Natur und den Widrigkeiten, die sie uns aufbürdet, so kann man immer wieder eine merkwürdige Verklärung beobachten. Nicht selten wird in der Diskussion über den Klimawandel und seine Auswirkungen ein »Zurück zur Natur« statt technologischen Fortschritts propagiert. In dieser erstaunlichen Lesart steht Natur nicht für die real existierende Natur, also das System, in dem nur die Starken und Fitten überleben und es ums Fressen oder Gefressenwerden geht, sondern sozusagen um idyllische, mit niedlichen Häschen und vegan lebenden Igelchen bevölkerte Blümchenwiesen. Und darum, sich als Freund dieser Art Natur und somit als moralisch überlegen zu präsentieren, was immer am besten funktioniert, wenn Fakten ignoriert werden.

Belegt ist beispielsweise, dass das Heizen mit Holz- und Pelletöfen die Feinstaubwerte erhöht und damit nicht nur gesundheitsschädlich ist, sondern auch zur Erderwärmung beiträgt. Verkauft werden diese Geräte aber als Möglichkeit, mit nachwachsenden Rohstoffen ökologisch und zugleich tradi­tionsbewusst zu heizen, und obendrein als wichtige Alternative zum Heizen mit Erdgas, Strom (Achtung: Atomkraft) oder Öl.

Es ist immer schwierig, von Menschen zu verlangen, dass sie ihre Lebenslügen aufgeben, schließlich ­gesteht niemand gern ein, sich geirrt zu haben. 

Nun ist es immer schwierig, von Menschen zu verlangen, dass sie ihre Lebenslügen aufgeben, schließlich ­gesteht niemand gern ein, sich geirrt zu haben. Und wahrscheinlich ist es noch unangenehmer, die Anschaffung von beispielsweise Pelletöfen zum ­Irrtum zu erklären, schließlich wurde ihr Kauf in aller Regel mit ökologischem Bewusstsein und Sinn für schon vor Hunderten Jahren gepflegte Gemütlichkeit sowie als engagierter persönlicher Beitrag zum Umweltschutz und verantwortlichem Umgang mit Ressourcen begründet.

Wie gut das Ignorieren von Fakten auch bei denjenigen klappt, die sich selbst für kritisch und aufgeklärt halten, lässt sich unter anderem immer dann bei X (vormals Twitter) beobachten, wenn der Meteorologe Jörg Kachelmann wieder einmal auf die Umweltschädlichkeit von Holzverbrennung hinweist. Der ihm dann entgegenschlagende Hass hat große Ähnlichkeit mit den Reaktionen von Klimawandelleugnern auf wissenschaftliche Untersuchungen, die ihnen nicht passen – vom Rückgriff auf unseriöse Quellen bis hin zum sturen Beharren darauf, dass böse Mächte dem Volk aus Profitgründen die Wahrheit vorenthalten.

Aber zurück zu den Klimaanlagen: Ja, sie sind toll. Und mit etwas Glück wird schon bald eine der derzeit erforschten technischen Neuerungen dazu führen, dass sie umweltschonender arbeiten. Weil die Menschheit ­eindeutig kühlere Köpfe braucht.