Zeitdruck im Zustellstützpunkt
Die Unzufriedenheit bei den Angestellten der Deutschen Post wächst. Sie beklagen schlechte Arbeitsbedingungen und psychische Erkrankungen durch Überlastung. Deutlich wurde das zum Beispiel bei der jüngsten Betriebsversammlung der Niederlassung Kiel. Die Halle sei voll und die Stimmung angriffslustig gewesen, berichtet die Betriebsgruppe Brief Lübeck von Verdi.
»Wird die Post es schaffen, für annehmbare Arbeitsbedingungen zu sorgen und das Personal zu halten?« fragte die Betriebsratsvorsitzende der Niederlassung Kiel, Anja Schadow, die Anwesenden eher rhetorisch. Die Antwort war eindeutig: »Nein.« Die Situation ist zwar nicht neu, aber sie verschlechtert sich offenbar immer weiter.
»Statt mit rückläufiger Briefmenge und mehr Zeit Entlastung in die Betriebe zu bringen, erhöht der Konzern die Belastung noch weiter.« Felix Plogshagen, Postzusteller
Erst im März einigte sich das Unternehmen mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag. Für rund 170.000 Tarifbeschäftigte gibt es fünf Prozent mehr Geld und mindestens einen zusätzlichen Urlaubstag bei einer Laufzeit von 24 Monaten. »Die Verhandlungen mit Verdi waren äußerst schwierig«, so Thomas Ogilvie, Konzernvorstand Personal und Arbeitsdirektor der Deutschen Post, in einer Pressemitteilung.
»Angesichts der Geschäftsentwicklung bei Post und Paket Deutschland gab es kaum Spielraum für Lohnerhöhungen.« Vier Verhandlungsrunden und bundesweit mehrere Warnstreiks waren nötig, bis es zur Einigung kam. »Die strukturellen Probleme, die Post und Paket Deutschland belasten, sind mit der Einigung allerdings nicht vom Tisch«, so Ogilvie.
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