Jungle+ Artikel 24.07.2025
Politische Karikaturen sind meist dröge, doch Islamisten ärgern sie immer noch

Erklärte Witzlosigkeit

In deutschen Zeitungen sind Karikaturen heutzutage meist langweilig, doch ihr Ursprung geht mit der Kritik an politischen und religiösen Autoritäten einher. Deshalb hassen Islamisten Cartoons dieser Art.

Die politische Karikatur ist ein Kuriosum: Eine künstlerische Ausdrucksform, die nur selten Überraschendes, Inspirierendes oder wenigstens Komisches hervorbringt, dennoch in beeindruckender Hartnäckigkeit immer weiterexistiert und für ihre Zeichner sogar lebensgefährlich werden kann. Aber das sind Ausnahmen. Das Gros derer, die für deutsche Tages- oder Wochenzeitungen arbeiten, darf sich sicher fühlen.

Das liegt an der spezifischen Form, die in diesen Blättern bevorzugt wird. Hier ein wahllos aus der Google-Bildersuche gegriffenes Beispiel: Zu sehen sind ein qua Kopftuch und breitem Schnauzer sowie antiquierten Reisekoffern (also solchen ohne Rollen) als türkische oder arabische Migranten ausgewiesenes Ehepaar, ein Wegweiser, auf dem »Integration« steht und dazwischen ein den Pfad versperrender Felsblock, mit der Aufschrift: »Deutsche Werte«. Ist das lustig? Will es das überhaupt sein?

Den langjährigen Karikaturisten der Süddeutschen Zeitung, Gabor Benedek, der diese Anordnung 2007 zu Papier brachte, kann man nicht mehr danach fragen, er starb 2019. Schaut man sich indes weitere seiner Zeichnungen an, zeigt sich, dass es ihm nie vorrangig um Witzigkeit ging. Wie die meisten Vertreter des Genres sah er seine Aufgabe eher darin, komplexe tagespolitische Fragen in Bildern zu kommentieren.

Die Cartoons von »Jyllands-Posten« und »Charlie Hebdo« verweisen auf die Ursprünge der politischen Karikatur als Mittel zur Verächtlichmachung geistlicher und irdischer Macht.

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