Völkermord als Schulhofschlägerei
»Multikulti« sei »nur ein nettes Wort für gesellschaftliche Spaltung, die letztlich in Massakern endet«; der »Krieg gegen die ethnisch deutsche Bevölkerung« sei bereits »in vollem Gange«. So schwadronierte AfD-Mann Martin Sichert am 11. Juli im Bundestag beim Gedenken an den 30. Jahrestag von Srebrenica vor sich hin
Was die Ehrengäste zum Gedenken an den 30. Jahrestag von Srebrenica im Bundestag erleben mussten, war »demütigend« – so beschrieb es Selma Jahić später auf der Social-Media-Plattform Bluesky. Sie hatte als Kind den Genozid überlebt, ebenso wie Nedžad Avdić, der als damals 17jähriger schwerverletzt am Leben blieb, weil er für tot gehalten wurde, und ebenfalls eingeladen war.
Jahić berichtet, wie sie und weitere Gäste aufgefordert wurden, die »Blume von Srebrenica« abzunehmen oder den Saal zu verlassen. Dabei handelt es sich um ein Symbol des Gedenkens: Im Zentrum ist ein grüner Kreis zu sehen, umgeben von weißen Blütenblättern; die »Blume« symbolisiert ein Grab und die Trauernden. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hielt das Zeichen offenbar für zu politisch. Nach einigem Hin und Her durften die Gäste die Blume schließlich doch tragen. Jahić beschreibt die Situation als »entwürdigend«.
Martin Sichert (AfD) nutzte den Mord an über 8.000 mehrheitlich muslimischen Menschen, um gegen Muslime in Deutschland zu hetzen.
Doch nicht nur das: Es folgten vier Reden von AfD-Abgeordneten, in denen der Genozid relativiert und geleugnet wurde. Alexander Wolf (AfD) sprach von einem »blutigen Massaker«, das man »im historischen Kontext« sehen müsse. Die Einstufung als Genozid sei »umstritten«. Anna Rathert (AfD) forderte, man solle »aller Opfer« gedenken, »ganz gleich, auf welcher Seite des Krieges sie standen«, und unterschlug damit, dass der Genozid an einer Gruppe – den Bosniaken – durch eine andere Gruppe – der Armee der Republika Srpska, mit logistischer und personeller Unterstützung aus Serbien – verübt worden ist.
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