31.07.2025
Der langjährige NPD-Vorsitzende Udo Voigt ist gestorben

Der Totgesagte ist tot

Der langjährige NPD-Vorsitzende Udo Voigt ist verstorben. Er trat in die Partei ein, als sie an ihrem politischen Höhepunkt stand. Seine strategischen Versuche, die NPD breiter aufzustellen, führten zu internen Konflikten, bis sie schließlich, wie er selbst auch, in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwand.

Die Todesmitteilung war recht knapp: »Letzter Ankerplatz: Ewige Heimat« stand auf X, dazu ein Bild von Udo Voigt. Der ehemalige Vorsitzende der NPD (seit 2023 »Die Heimat«) starb am 17. Juli. Im organisierten Rechtsextremismus war die Anteilnahme groß. Auch einige europäische Nationalisten kondolierten öffentlich, so zum Beispiel die rechtsextreme Organisation Det fria Sverige (Freies Schweden).

Der 1952 im nordrhein-westfälischen Viersen geborene Voigt trat mit 16 Jahren in die NPD ein, zu einer Zeit, in der die Partei politisch einige Erfolge verzeichnen konnte. Zeitweise war sie in sieben deutschen Landtagen vertreten. 1968 erzielte sie in Baden-Württemberg mit 9,8 Prozent ihr bis heute bestes Wahlergebnis. Doch das sollte für dreieinhalb Jahrzehnte der letzte Einzug in einen Landtag gewesen sein: 1969 scheiterte die NPD mit 4,3 Prozent am Einzug in den Bundestag, danach versank die Partei in Flügelkämpfen. Voigt ging derweil zum Militär, wie schon sein Vater, der ein überzeugter Nationalsozialist, Wehrmachtssoldat und Mitglied der SA war. Voigt betonte immer wieder die Vorbildfunktion, die sein Vater für ihn hatte.

Entweder völkische Nischenpolitik oder sukzessive politischen Einfluss gewinnen – beides zusammen geht nicht.

Ab den Achtzigern nahm Voigts politische Laufbahn langsam Fahrt auf. Als langjähriger Kreisvorsitzender in Freising und Mitglied des bayerischen Landesvorstands kandidierte er im März 1996 für den Bundesvorsitz. In einer Kampfabstimmung setzte er sich knapp gegen den Amtsinhaber Günter Deckert durch. Unter Voigts Ägide kooperierte die Partei in den neunziger Jahren eng mit dem nationalsozialistisch orientierten Kameradschaftsmilieu. Er forcierte die Straßenmobilisierungen, um jugendliche Rechtsextreme an die Nationaldemokraten zu binden.

Dieses strategische Zusammenarbeit führte zu einer Renaissance der rechtsextremen Partei. Gekrönt wurde diese langjährige organisatorische Aufbauarbeit 2004 mit dem erstmaligen Einzug in den Sächsischen Landtag. Bei den Erstwählern war die Partei sogar zweitstärkste Kraft. Ähnlich wie jedoch schon in den Sechzigern folgte auf den Erfolg gleich die Talfahrt: Erneut entbrannte ein Kampf um Posten, es kam intern zur Kritik an der Ausrichtung der Partei.

Zu der Zeit versuchte die NPD, sich als antiimperialistische und israelfeindliche Partei zu präsentieren, um auch bei Migranten und Teilen der antiimperialistischen Linken anzudocken. Bei der völkischen Blut- und Boden-Fraktion kam das nicht gut an. Für Unruhe sorgte etwa 2002 ein Besuch Voigts auf einer Veranstaltung der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir.

Voigt wollte zweigleisig fahren

Die Aufnahme Safet Babics, der sich selbst als »europäischer Befreiungsnationalist bosnischer Herkunft« bezeichnete, in die Jugendorganisation der Partei sorgte intern ebenfalls für Ärger. Der damalige Bundesvorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, Sascha Roßmüller, teilte mit, man habe versucht, »positive Elemente in die Volksgemeinschaft einzubinden«, während der komplette sächsische Landesvorstand der Jugendorganisation aus Protest aus der Bundesorganisation austrat.

Interne Konflikte dieser Art sind noch immer im bundesdeutschen Rechtsextremismus zu beobachten. Entweder völkische Nischenpolitik oder sukzessive politischen Einfluss gewinnen – beides zusammen geht nicht. Der NPD-Bundesvorstand unter der Führung von Udo Voigt wollte trotzdem zweigleisig fahren – und scheiterte letztlich auf ganzer Linie. Im November 2011 wurde er als Vorsitzender zwar von seinem Zögling Holger Apfel abgelöst, eingefädelt wurde dies aber von seinem innerparteilichen Gegenspieler Udo Pastörs, der den völkischen Flügel der Partei anführte.

Am Ende keine Relevanz mehr

Angesichts des organisatorischen Scherbenhaufens, den der langjährige Vorsitzende Voigt hinterließ, überraschte es, dass er 2014 für seine Partei als Spitzenkandidat bei der Europawahl antrat. Als Abgeordneter des Europaparlaments hatte er allerdings keine Relevanz mehr, nicht mal für die eigene Partei.

Die Umbenennung der NPD in »Die Heimat« vor zwei Jahren war das Anliegen einer neuen Generation, die nicht mehr mit dem angestaubten Image der NPD hausieren gehen wollte. Auch dass die Partei seit 2014 erstmals wieder einen leichten Mitgliederzuwachs verzeichnen kann, hat längst nichts mehr mit ihrem langjährigen Vorsitzenden zu tun. Die Auflösung der Jungen Alternative sowie der strategische Richtungsstreit innerhalb der AfD spülen gerade einige Mitglieder in die Partei.