Jungle+ Artikel 21.08.2025
In der sachsen-anhaltinischen Stadt wurde zweier Opfer rassistischer Gewalt gedacht

Salsa in Merseburg

1979 hetzte in Merseburg ein Mob zwei Kubaner in die Saale, in der sie ertranken. Die Täter wurden nie bestraft, die Stadt sah sich auch nie bemüßigt, an die Toten zu erinnern. Am Samstag enthüllte eine gedenkpolitische Initiative gemeinsam mit Angehörigen eine Gedenktafel.

Ein jahrelanger Kampf um die Erinnerung hat ein halbwegs versöhnliches Ende gefunden. Seit vergangenem Samstag wird in Merseburg der beiden ermordeten kubanischen Vertragsarbeiter Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret mit einer offiziellen Gedenktafel gedacht. »Ich hatte einen so großen Sohn und sie brachten ihn mir (als Asche) so klein zurück«, steht nun auf Spanisch unter anderem auf einer künstlerisch gestalteten Platte, die Angehörige Guerras am frühen Abend enthüllten.

Der Ausspruch stammt von Guerras Vater, die Platte wurde nach Abstimmung mit dem verantwortlichen Kirchenverein an einer Friedhofsmauer der evangelischen Kirche nahe des Tatorts an der Saale angebracht. Die Filmemacherin Cana Bilir-Meier und weiteren Künst­ler:in­nen hatten sie zusammen mit der Familie Guerra entworfen.

»Ich hatte einen so großen Sohn und sie brachten ihn mir (als Asche) so klein zurück«, steht nun auf Spanisch auf der Gedenkplatte.

Ein Mob aus bis zu 40 DDR-Bürgern hatte Guerra und Paret am Abend des 12.August 1979 durch die Kleinstadt gejagt und in den dortigen Fluss getrieben. Zeugen zufolge wurden die beiden mit Steinen und Flaschen beworfen, bis sie vermutlich das Bewusstsein verloren und ertranken. Die DDR-Behörden vertuschten die Morde aus Sorge vor diplomatischen Zerwürfnissen mit dem Partnerstaat Kuba; die Staatsanwaltschaft Halle (Saale) entschied vor einigen Jahren, die Ermittlungen nicht wiederaufzunehmen.

Seit 2019 organisiert die »Initiative 12.August« ein jährliches Gedenken und fordert einen offiziellen Gedenkort – was der Stadtrat und der bis 2022 amtierende Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) stets verweigerten. Auch unter seinem Nachfolger Sebastian Müller-Bahr (CDU) hat sich daran nichts geändert. Mit der nun aufgehängten Gedenktafel hat die Stadt nichts zu tun.

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