Bildnis einer fremden Vertrauten
Die Lebensgeschichte, die der schwedische Schriftsteller Alex Schulman in seinem neuen Roman erzählt, stellt sich als Dokument einer Verweigerung dar. Diese Verweigerung ist zugleich die Geschichte einer Erinnerung. Der Titel des Buchs, »Vergiss mich«, paraphrasiert die Aufforderung der alkoholkranken Mutter an ihren Sohn, sie nicht mit derjenigen Person zu verwechseln, zu der sie geworden ist. Schulman gehorchte nicht und gehorchte gerade dadurch trotzdem: indem er anteilnehmend rekonstruierte, wie die Mutter wurde, was sie schließlich war. Im Spiegel dieser Rekonstruktion erzählt er das eigene Leben und die Geschichte seiner Familie, ohne die die Geschichte der Mutter nicht zu verstehen ist.
Der Beginn des Romans liest sich wie eine Variation des Topos von der Erinnerung als Reise: »Ich fahre einen Weg entlang, den ich sehr gut kenne. Es ist ein staubiger Kiesweg, Steine spritzen unter den Reifen zu beiden Seiten weg, eine Kurve folgt auf die nächste. Mich kann er aber nicht überraschen, ich kenne ihn in- und auswendig. (…) In wenigen Minuten bin im Sommerhaus der Familie in Värmland angekommen.«
Die Verwandtschaft der fremd gewordenen mit der vertrauten Mutter erkennt Alex an ihrem Blick, der auch im fortgeschrittenen Alkoholismus an den früheren erinnert.
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