28.08.2025
Beim Word Meeting der Urban Sketchers in Poznań

Der analoge Mann

Aus Kreuzberg und der Welt: Independent Sketcher

Am Montag sind Julia und ich zum Word Meeting der Urban Sketchers in Poznań gefahren. Gleich am Nachmittag gehen wir zum alten Marktplatz. Der riesige Platz im Zentrum der Altstadt ist der Treffpunkt der Zeichnerinnen und Zeichner. Wir begrüßen Bekannte und legen auch gleich los.

Nicht ganz einfach. Auf der Bank neben uns sitzen ein paar krakeelende Betrunkene. »Kurrrwa«, schreit der eine immer wieder. Neben »dziękuję » (danke) und »dzień dobry« (Guten Tag) ist »kurwa« das dritte polnische Wort, das ich lerne: Verdammte Scheiße! Wörtlich heißt es allerdings »Nutte«.

Das Meeting beginnt zwar erst am Mittwoch, aber wir wollen eine ganze Woche in Poznań (ehemals Posen) bleiben und teilen ein Appartement uns mit zwei Freundinnen, Florance aus der Schweiz und Anja aus Berlin. Auch Dominika aus Danzig, die wir im letzten Jahr beim polnischen Meeting in Świdnica kennengelernt haben, gehört zu unserer Clique. »Na, triffst du wieder deine Sketch-Mafia?« hatte Flos Mann das mal salopp formuliert.

Die Veranstaltung gliedert sich in Teilnehmer mit Pass und Teilnehmer ohne. Wie Hunderte andere Zeichnerinnen und Zeichner habe ich keinen Pass. Alle Tickets waren bereits nach wenigen Minuten ausverkauft. Letztendlich ist es egal, denn ich brauche keine Eintrittskarte, um mich im öffentlichen Raum  hinzusetzen und zu zeichnen.

Wie Hunderte andere Zeichnerinnen und Zeichner habe ich keinen Pass. Alle Tickets waren bereits nach wenigen Minuten ausverkauft. Letztendlich ist es egal, denn ich brauche keine Eintrittskarte, um mich im öffentlichen Raum  hinzusetzen und zu zeichnen.

Allerdings fühle ich mich nicht offiziell eingeladen. Ich male mir ein eigenes Schildchen, auf dem »Independent Sketcher« steht, und hänge es mir an einem Festivalband um den Hals. Ich bekomme auch keinen goody bag, anders als Julia, Florance und Anja, die »richtige« Teilnehmerinnen sind. In dem Beutel befinden sich mehrere Skizzenbücher in verschiedenen Größen, ein kleiner Aquarellkasten in einer Festival-Edition mit Aufdruck und »Festival-Farbe«, Gouache, Fineliner, verschiedene Buntstifte und weitere Zeichenmaterialien.

Obwohl ich nichts davon brauche, fühle mich doch etwas ausgeschlossen, als ich den anderen beim Auspacken zuschaue. Weil ich an offiziellen Sketchwalks, geführten Zeichenrundgängen, auch nicht teilnehmen darf, zeichne ich meist am Alten Marktplatz in einem Café oder Restaurant.

Nach ein paar Tagen komme ich langsam in Urlaubsstimmung. Aus dem Schatten der Restaurant-Sonnenschirme heraus halte ich die vorbeiflanierenden Touristen und aufgebrezelten Locals fest. Am Nachmittag trinke ich das erste Bier.

Irgendwann fange ich an, auch mein Essen zu zeichnen. Mühelos füllen sich die Seiten meines Skizzenbuchs. Alles recht gelungen, trotz Alkohol.

Wie die Chaostage in Hannover

Am Donnerstag streifen Dominika und ich durch die Second-Hand-Plattenläden und Antiquariate der Stadt. Posen hat zwar eine lebendige Kulturszene, ist aber keine Vinyl-Stadt. Meine Ausbeute nach drei Stunden: vier Singles.

Unterdessen lernen Julia und die anderen auf ihren Workshops lauter Leute kennen und kommen inspiriert zurück. Aber auch ich fühle mich letztlich aufgehoben im Kreis der Zeichnenden.

Dieses World Meeting war wie die Chaostage in Hannover, nur dass hier Urban Sketcher den öffentlichen Raum fluteten. An jeder Ecke wurde gesketcht. Festgehalten, was ist. In kleine Bücher gekritzelt, für die Ewigkeit. Ach, hätten die Punks damals doch alle gezeichnet, was wären das für herrliche Bücher geworden!