28.08.2025
Erinnerung an einen großen Kulturkämpfer – Alfred Hilsberg ist 77jährig gestorben

Für immer Underground

Popkolumne. Nachruf auf Alfred Hilsberg und ein Lesetipp.

Tiefe Trauer in Indie-Deutschland: Alfred Hilsberg ist tot. Im Alter von 77 Jahren ist der legendäre Label-Macher am 18. August nach schwerer Krankheit in Hamburg gestorben. Ohne seine beiden Indie-Labels Zickzack und What’s So Funny About wäre die alternative Popwelt der Achtziger und Neunziger, aber – vor allem wegen Alfreds Glauben an Jens Friebe – auch noch die der nuller Jahre eine komplett andere gewesen.

Alfred Hilsberg war als Gesprächspartner ebenso präzise wie unterhaltsam. »Ein Original«, sagte man früher gern zu solchen Leuten. 

Sein Motto »Lieber zu viel als zu wenig« brachte ihn im Release-Rausch oft in finanzielle Schwierigkeiten. Seine Veröffentlichungen von Bands wie F.S.K., Einstürzende Neubauten oder Blumfeld bedeuteten dabei nicht wenigen Music-Lovern die ganze Welt. Aus Versehen erfand er das New-Wave-Genre »Neue Deutsche Welle«, wollte damit aber genauso wenig am Hut haben wie mit Christof Meuelers Buch »Das Zickzack-Prinzip« über sein Leben und seine Arbeit.

Alfred war Zeit seines Lebens ein dickhäutiger Kulturkämpfer. Als Gesprächspartner war er ebenso präzise wie unterhaltsam. »Ein Original«, sagte man früher gern zu solchen Leuten. Es bleibt zu wünschen, dass der inzwischen komplett zerfledderte Katalog seiner kuratierten Arbeit zumindest virtuell wieder übersichtlich an einem Ort zusammengeführt wird. Denn gerade unter seinen abseitigeren Veröffentlichungen gibt es sehr außergewöhnliche Musik zwischen Post-Punk und Elektronik zu entdecken.

Daniela Dröschers neuer Roman »Junge Frau mit Katze«

Alles ist schwierig, bevor es leicht wird, lautet das Motto von Daniela Dröschers neuem Roman »Junge Frau mit Katze«. Vor drei Jahren erzählte die Autorin in dem autofiktionalen Roman »Lügen über meine Mutter« mitreißend von ihrer mehrgewichtigen Mutter, die unter den Diätvorschriften und Demütigungen ihres Ehemanns litt.

Nun rückt die Tochter in den Mittelpunkt: Kurz vor Elas Promotion rebelliert ihr Körper. Halsschmerzen, Herzstolpern, allergische Schübe, Gehirnnebel – es beginnt eine zermürbende Odyssee durch ein krisenhaftes Gesundheitssystem. Der Körperschatten ihrer Mutter scheint stets unheilvoll über Ela zu schweben.

Dabei löst diese sich bereits aus der unguten Symbiose und geht auf Pilgerreise, um ihre Krankheit in den Griff zu bekommen. Dröscher macht mit leisem Humor spürbar, wie prägend Herkunft, Klasse und Körperbilder sind. Mit starken Nebenfiguren und literarischen Bezügen zu anderen Werken gelingt Dröscher ein Roman von seltener Intensität: ein aufwühlendes Buch über Krankheit, Selbstwerdung und die verborgenen Dinge, die uns hemmen.