28.08.2025
Ein Kommentar zum Antisemitismus in Norwegen führt zu Beschimpfungen

Wassermelonen anderswo

Die Kolumnistin hat in einer norwegischen Zeitung linken Antisemitismus kritisiert. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Das waren aufregende Tage: Eingeladen, für die norwegische Tageszeitung Aftenposten einen Kommentar zum Thema Antisemitismus zu schrei­ben, war rasch klar, dass es dar­in um linken Antisemitismus gehen sollte, schließlich ist das Wassermelonen-Elend in Norwegen noch ausgeprägter als hierzulande. Und dann ging alles recht schnell, und zwar mit einer Aufzählung diverser linker Prinzipien (wie Opfern von sexuellem Missbrauch zu glauben, keinen Whataboutism zu betreiben), die immer dann fröhlich vergessen werden, wenn es um Israel oder Juden geht.

In norwegischen Kommentaren konnte man sich als »rassistische Zionistin« beziehungsweise »furchtbare Hexe« bezeichnen lassen, allerdings bloß auf X, wo die Umgangsformen schon immer zu wünschen übrig ließen.

Das Ganze zu übersetzen, dauerte etwas länger, aber schließlich war es geschafft und der Artikel veröffentlicht und am vorigen Sonntag konnte man sich dann auch schon in norwegischen Kommentaren als »rassistische Zionistin« beziehungsweise »jaevla hekse« (furchtbare Hexe) bezeichnen lassen, allerdings bloß auf X, wo die Umgangsformen in praktisch jeder existierenden Sprache schon immer zu wünschen übrig ließen.

In der Kommentarspalte unter dem Artikel ging es ­dagegen wesentlich gesitteter zu, Beleidigungen oder persönliche ­Angriffe gibt es nicht. Dafür wird das bekannte Repertoire ausge­breitet, das sozusagen from the river (auch Araber sind Semiten, des­wegen gibt es keinen Antisemitismus, oder so ähnlich) to the sea (­Israel hat keine Existenzberechtigung) reicht, aufgelockert mit steilen Thesen über Genozide und das angebliche Verbot, Israel oder Juden zu kritisieren.

Screenshot Artikel "Den blinde flekken" in Aftenposten

Natürlich gibt es auch positive Kommentare, aber sie gehen im allgemeinen Unverstand unter, der manchmal allerdings auch ein bisschen lustig ist, zum Beispiel wenn rundum abgestritten wird, dass linke Prinzipien für Juden nicht gelten und Antisemitismus gleichzeitig mit lupenreinem Whataboutism, nämlich, genau: »aber Israel« begründet wird.

Aber gut, das wäre in deutschsprachigen Medien nicht anders. Wie auch der Umstand, dass, je widerwärtiger ein Leserkommentar ist, desto todsicherer der Verfasser am Ende betont, jüdische Freunde zu haben. Was immerhin eine gute Nachricht für die rund 1.500 norwegischen Juden und Jüdinnen ist: Sie haben offenkundig viele, viele Freunde.