Wohin führen Serbiens Proteste?
Belgrad. Sie hören nicht auf. Seit über zehn Monaten halten die Proteste in Serbien gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vučić an, zuletzt hat sich die Situation deutlich verschärft. Als am Montagabend vergangener Woche mehrere Tausend Demonstranten – darunter viele Jugendliche, Familien mit Kindern und Senior:innen – durch das Zentrum Belgrads liefen und laut »Svi na ulice« (Alle auf die Straße) riefen, war die Stimmung merklich angespannt.
Vielen saßen die Ereignisse der vergangenen Tage im Nacken, die ein neues Ausmaß der Gewalt von Polizei und Schlägertrupps der Regierungspartei SNS (Serbische Fortschrittspartei) gegen die Protestierenden gezeigt hatten. Im ganzen Land hatte es koordinierte und brutale Übergriffe bewaffneter Mobs auf Demonstrationen und Kundgebungen mit Dutzenden von Verletzten gegeben. In den sozialen Medien zirkulieren etliche Videos, auf denen maskierte Angreifer zu sehen sind, wie sie mit Schlagstöcken, Flaschen und Eisenstangen bewaffnet auf Demonstranten losgehen. Während die Polizei infolge dieser Zusammenstöße Hunderte Protestler:innen festnahm, konnten die Angreifer:innen vielerorts unbehelligt agieren.
Auch Polizeigewalt nimmt zu. Der Fall der Belgrader Politikwissenschaftsstudentin Nikolina Sinđelić sorgt derzeit für besondere Bestürzung.
Sie gibt an, während ihrer Verhaftung vom Kommandanten der Polizeieinheit für Personen- und Objektschutz, Marko Kricak, der als Vertrauter Vučićs gilt, körperlich und sexuell misshandelt worden zu sein. Er habe ihren Kopf gegen die Wand geschlagen und ihr mit Vergewaltigung gedroht.
Eine Zeitlang hatten die Studierenden Erfolg mit ihrer Strategie, sich auf gemeinsame Kernforderungen zu konzentrieren und sonstige politische Differenzen auszublenden.
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