Nicht ohne meine Assistentin
Ob in der Bahn, im Park oder Café – überall sieht man junge Frauen in Caroline Wahls dritten Roman »Die Assistentin« vertieft. Ihre Bücher »22 Bahnen« und »Windstärke 17« lösten auf Booktok einen Hype aus und standen monatelang auf den Bestsellerlisten.
Ausgerechnet Kulturstaatsminister Wolfram Weimer empfahl den Debütroman »22 Bahnen« des Popstars der deutschen Literatur als »Urlaubslektüre« – darin geht es um zwei Mädchen mit einer alkoholkranken Mutter, die Geschichte läuft bereits im Kino. Und dann erdreistet sich die 30jährige Wahl auch noch, in Interviews zu sagen, sie habe keinen Bock auf falsche Bescheidenheit und verstehe nicht, warum sie nicht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis steht.
Letztlich erzählt Caroline Wahl wieder ein weibliches Selbstermächtigungsmärchen. Und genau deshalb lesen junge Frauen ihre Bücher.
Auch »Die Assistentin«, wofür sie zu einem beträchtlichen Vorschuss den Verlag gewechselt hat, wurde nicht nominiert. Darin geht es um eine junge Frau, die bei einem narzisstischen Verlagschef als Assistentin anheuert und an seinen Ansprüchen beinahe zugrunde geht.
Pikant daran ist, dass Wahl selbst vor ihrem Durchbruch Assistentin bei Diogenes war und angedeutet hat, wie schlecht es ihr dort erging. Viele Frauen mit toxischen Chefs dürften sich in Charlottes Geschichte wiederfinden.
Wahls allwissende Erzählerin zieht aber auch noch eine Metaebene ein, die vermeintliche Erwartungen von Leser:innen und Lektor:innen reflektiert – das stört eher den Erzählfluss und wirkt schulmeisterlich. Letztlich erzählt sie aber wieder ein weibliches Selbstermächtigungsmärchen. Und genau deshalb lesen junge Frauen ihre Bücher.
Unter dem Namen »Der Assistent« wiederum veröffentlicht der Berliner Musiker Tom Hessler seit ein paar Jahren Musik zwischen Yacht-Rock, Dub und dem, was für achtsame Männer heute von Indie übrig geblieben ist: eine aufgeräumte Musik mit handtuchbedeckten Snare-Drums. Durch die surrealen Texte fühlen sich die Protagonisten in seinen Songs so verloren wie in der Insta-Story zu Werbezwecken.
Die neue Single heißt »Was kostet die Welt?« und schunkelt im Offbeat in Richtung »Heißer Herbst«: »Küss mich nochmal, was kostet die Welt, ich mach mich zum Clown, wenn es dir gefällt!«
Wagenknecht, Maffay, Hallervorden vs. Eva Illouz
Tja, die Liebe im Spätkapitalismus. Eine Zeit, in der Wagenknecht, Maffay und Hallervorden unter dem Motto »Stoppt den Völkermord in Gaza! Frieden statt Wettrüsten« zur Demonstration einladen.
Wie inzwischen üblich ohne irgendeine Erwähnung des 7. Oktober. Wir lesen darum Eva Illouz und ihr Bändchen »Der 8. Oktober« und fragen uns: Ja, wo ist vor allem »Die Linke« hier eigentlich hineingeraten?