Jungle+ Artikel 25.09.2025
An der Universität Birmingham forschten Richard Hoggart und Stuart Hall über Medienkonsum und Alltagspraktiken

Eingreifende Wissenschaft

1964 wurde an der Universität Birmingham das Centre for Contemporary Cultural Studies eingerichtet, das sich, von Marxisten wie Louis Althusser und Antonio Gramsci inspiriert, dem populären Medienkonsum und den Alltagshandlungen widmete. Das Centre, das in den Siebzigern vom Kulturtheoretiker Stuart Hall geleitet und 2002 geschlossen wurde, wirkt durch seinen Antiessentialismus bis heute fort.

Stuart Halls 2017 posthum erschienene Autobiographie »Familiar Stranger« endet mit einem Anfang. Die lebensgeschichtlichen Schilderungen des wohl bekanntesten Vertreters der britischen Cultural Studies reichen nur bis Anfang der sechziger Jahre, da war das Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham, das er später leiten sollte, noch nicht einmal gegründet.

Der 1951 aus der damaligen britischen Kolonie Jamaika nach England emigrierte Hall leitete das Forschungszentrum, das der Universität von Birmingham angegliedert war, von 1969 bis 1979, unter seiner Führung wurde es weltbekannt. Gegründet hatte es der Literaturwissenschaftler Richard Hoggart im Jahr 1964. Er war damals ein angesehener Intellektueller, der sich für die Gründung des CCCS die finanzielle Unterstützung der Universität sichern konnte. Seine Studie »The Uses of Literacy. Aspects of Working-Class Life« von 1957 gilt als einer der Gründungs­texte dessen, was später Cultural Studies genannt wurde.

Der kleinste gemeinsame Nenner der Cultural Studies ist der Bruch mit einer als elitär verstandenen Herangehensweise an Kultur. 

Darin widmete sich Hoggart den Auswirkungen der Massenkultur auf die Arbeiterklasse. Er analysierte deren Kultur als gemeinsamen Lebensstil, der sich durch Musikvereine und Pub-Besuche ebenso ausgezeichnet habe wie durch eine grundsätzlich pragmatische Haltung zum Leben. Diese nicht ohne Nostalgie beschriebene Haltung sei vor allem durch die massification bedroht worden, was schließlich nicht nur die Arbeiterkultur, sondern auch die Kampfkraft des Proletariats zerstört habe.

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