25.09.2025
Muay Thai Boxen in Wolverhampton

Desi-Pub und Schlägerei

Ein heruntergekommenes Industriegebiet in Wolverhampton bot ausgezeichnete nepalesische Küche und einen Kampf nach dem anderen.

Wolverhampton ist eine Großstadt mit knapp 300.000 Einwohnern und bedeutender industrieller Vergangenheit unweit Birminghams. Die Pflicht brachte eine kleine Jungle-Delegation in der Regionalbahn am verregneten Samstagmorgen dorthin – eine Demonstration gegen Flüchtlinge musste beobachtet werden.

Aber es wäre keine Jungle-Auslands­reise, wenn man die Arbeit nicht mit dem Angenehmen verbinden könnte. Wie es der Zufall so wollte, fand am selben Tag in Wolverhampton die »War Fight­ing Series« statt: mehr als 20 Kickbox- und Muay-Thai-Kämpfe. »Don’t miss the action – this is WAR!« bewarb sich das Turnier, und das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Umso mehr, als dort auch Damian Benak kämpfte, in dessen Birminghamer Gym die Jungle World-Muay-Thai-Expertin ein paar Tage zuvor trainieren war.

»Don’t miss the action – this is WAR!« bewarb sich das Turnier, und das ließen wir uns nicht zweimal sagen.

Aber erst mal Nahrungsaufnahme. Eine der netten Gegendemonstrantinnen empfahl ein Pub. Das sei von Sikhs übernommen worden – die Religionsgruppe aus Nordindien macht über zehn Prozent der Be­völkerung von Wolverhampton aus –, das Essen sei ausgezeichnet. In einem fast menschenleeren Industriegebiet fand sich der »Desi Yew Tree«. An der Bar wurde ein Pint nach dem anderen gezapft, zu essen gab es aber nicht Ham, Egg und Chips, sondern Tandoori, Naan und Balti.

In Birmingham wurde bereits reichlich indisches und pakistanisches Essen erprobt, aber an die Küche im Industriegebiet von Wolverhampton kam nichts davon heran, zudem war die auch noch günstiger. Eine spätere Recherche ergibt, dass sogar der ziemlich anspruchsvolle Guardian-Restaurantkritiker Jay ­Rayner schon im »Desi Yew Tree« zu Gast war und ins Schwärmen geriet. Fürs Essen zuständig sei eine ­nepalesische Familie, kann man dort lesen, das alles sei ein »brillantes« Beispiel für die »Desi-Pub-Kultur«.

Publikum bei der »War Fight­ing Series«

Bei dieser handelt es sich offenbar um ein inzwischen weitverbreitetes Phänomen – Desi heißt in etwa: vom indischen Subkontinent, also einschließlich Bangladesh und Pakistan. Britische Traditionspubs werden von Menschen mit Desi-Herkunft übernommen, die dann entsprechendes Essen servieren. Gleich zwei Dokumentarfilme sind zu dem Thema im vergangenen Jahr erschienen (»Desi: A Pub Story« und »The Rise of Mixy«).

Keine 500 Meter entfernt in einer großen Indus­triehalle war das War-Turnier schon in vollem Gange. Es enttäuschte nicht, auch dank der fachkundigen Kommentare unserer Kampfsportexpertin. Ein Kampf folgte im schnellen Wechsel auf den anderen. Benak gewann sehr verdient mit einem technischen Knockout in der ersten Runde. Die polnischen Fans grölten am lautesten.

Mit Plauze in den Ring, den Gegner K. o. schlagen

In Erinnerung blieb außerdem Kay Azonto Szoma, der im Gegensatz zu allen anderen perfekt durchtrainierten Kämpfern mit Plauze in den Ring stieg und einen eher entspannten Eindruck machte, dann aber seinen Gegner in der zweiten Runde K. o. schlug und anschließend seinen Sieg mit einer Tanzanlage und einer angeberischen Rede feierte, was bei den Anhängern seines Kontrahenten nicht gerade für Freude sorgte.

War Szoma es, der kurze Zeit später die Schlägerei aus­löste, die erst endete, als zahlreiche Security-Mitarbeiter mit erhobenen Klappstühlen in den Händen die Störenfriede nach draußen trieben? Man weiß es nicht, aber so schnell es losging, war der Spuk auch schon wieder vorbei. »Wenn nicht in zwei Minuten alle im Saal wieder sitzen, brechen wir die Show ab«, rief der Ringrichter ins Mikrophon und das Pu­blikum nahm gelassen wieder Platz. Die Show ging weiter.