Jungle+ Artikel 25.09.2025
Surrealismus in Großbritannien

Swirling the Lines

Krieg, Antifaschismus und die »Art Wars«: Birmingham war neben London ein Zentrum des Surrealismus, und Roland Penrose, der Ehemann von Lee Miller, eine Schlüsselfigur der Szene. Später übertrug er als »camouflage evangelist« ­surrealistische Techniken auf die Kriegstarnung.

An den Bildern seiner Birminghamer Künstlerkollegin Emmy Bridgwater pries ­André Breton 1940 die verwirbelten Linien (»swirling lines«) und organischen Formen (»plantforms«), die die automatistische Technik des Surrealismus den Tiefen des Bewusstseins entlocken konnte. Genau so sollte der Surrealismus funktionieren: als ein entfesselter psychischer Reflex, der die kalte Rationalität überwand, die aus surrealistischer Sicht die Schlachten des Ersten Weltkriegs möglich gemacht hatte.

Bridgwater war neben Conroy Maddox, Oscar Mellor, John Melville, Desmond Morris und Roland Penrose eine bedeutende Figur der 1935 entstandenen »Birmingham Surrealists«. Anfang der vierziger Jahre schlossen sich die Automatistin und weitere Künstler der Gruppe dann dem größeren Kreis der Londoner Surrealisten an. Ein Schritt, der bemerkenswert war, weil der Gründungsmythos der Birmingham Surrealists gerade auf der Abgrenzung vom Londoner Kreis beruhte. Diesem hatte man vorgeworfen, die Orthodoxie des Surrealismus verraten zu haben. Mit Leidenschaft hatten sich die lokalen Szenen eine Weile gegenseitig beharkt, bis die surrealistischen »Art Wars« nicht zuletzt unter dem Eindruck des heranrückenden Zweiten Weltkriegs an Bedeutung verloren.

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