Jungle+ Artikel 06.11.2025
Politische Verfahren gegen Opposition

Bittere Justizfarce in Tunis

In Tunesien ist der Anwalt Ahmed Souab, der in einem großangelegten Prozess gegen Oppositionelle im Frühjahr als Verteidiger agierte, zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Kritiker sprechen von einem politischen Verfahren.

Es waren absurde Szenen, die sich am Freitag vergangener Woche in einem Gerichtssaal der tunesischen Hauptstadt Tunis abspielten. Dabei ging es um den Prozess gegen den Rechtsanwalt Ahmed Souab, der zuvor als Verteidiger in einem Mammutprozess gegen ungefähr 40 tunesische Oppositionelle im April aufgetreten war. Nun musste er sich selbst wegen Terrorismusvorwürfen vor einer auf derartige Delikte spezialisierten Strafkammer des Gerichts in Tunis verantworten.

Der 68jährige durfte allerdings nicht persönlich vor Gericht erscheinen, das hatte ihm die Strafkammer verweigert. Stattdessen wurde er per Video aus dem etwa 20 Kilometer entfernten Gefängnis von Mornaguia zugeschaltet. Dagegen protestierte der abgemagert wirkende Angeklagte und forderte, im Gerichtsaal erscheinen zu dürfen, andernfalls werde er seinen Verteidigern die Befugnis entziehen, sich in dem Verfahren zu äußern.

Daraufhin ergriff der Vorsitzende unter den fünf Richtern die dicke Prozessakte, sagte: »Das Gericht hat es zur Kenntnis genommen«, und verließ mit seinen Richterkollegen den Saal. Das war es auch schon. Die zu Dutzenden anwesenden Anwaltskolleginnen und -kollegen und zahlreiche Prozessbesucher räumten nach und nach die altmodisch wirkenden Holzbänke des Verhandlungssaals. Am Freitagabend gegen 18Uhr meldete die Presse, Souab sei zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

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