Jungle+ Artikel 06.11.2025
Brasilien zur Zeit der Militärdiktatur

Das Kino riecht nach Blut

Haie, Samba, Polizisten: Kleber Mendonça Filhos Thriller »The Secret Agent« mit Wagner Moura in der Titelrolle erzählt vom Horror der Militärdiktatur im Brasilien der Siebziger. Aber er zeigt ihn nicht oder zumindest nur ganz indirekt.

Brasilien, 1977, eine Texteinblendung zu Beginn des Films nennt die Periode betont vage »eine Zeit voller Unruhen«. Es ist die Ära, wie es an einer Stelle einmal retrospektiv heißt, »vor Google«. Im Zeitalter der gedruckten Nachrichtenblätter, die gelegentlich auch dafür verwendet werden, einen toten Körper abzudecken, wird die Phantasie noch von Schlagzeilen befeuert. Und manchmal reicht sogar schon der Anblick eines Kinoplakats, um Alpträume zu wecken.

In einem Lichtspielhaus in Recife wähnt sich eine Frau nach dem Ansehen eines Horror-Schockers von einem Dämon besessen, während die Meldung von einem menschlichen Bein, das im Magen eines Hais gefunden wurde, die Menschen in Scharen in einen heute legendären Tierhorrorfilm treibt. All das in der ohnehin schon komplett verrückten Karnevalswoche, die mit jedem weiteren Tag für einen sprunghaften Anstieg an Todesfällen sorgt.

Das Unbestimmte, Undurchsichtige und Chaotische ist in »The Secret Agent« (2025; Originaltitel: O Agente Secreto) von Kleber Mendonça Filho programmatisch. Die Zeit der immerhin noch weitere acht Jahre über 1977 hinaus andauernden Militärdiktatur, zuletzt von Walter Salles in »Für immer hier« in Form eines realen Falls von Verschwindenlassen rekapituliert, wird kein einziges Mal direkt angesprochen.

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