Über Künstliche Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt lässt sich ja viel Schlechtes sagen. Automatisierung kann nicht nur Arbeitsplätze ersetzen, sondern auch Arbeit verdichten und Mitbestimmung verringern. Urheberrecht kennt der Algorithmus sowieso nicht, und hinsichtlich des Datenschutzes ist das Ganze eine Katastrophe. KI ist außerdem nicht besonders zuverlässig, wenn es um Textgeneratoren geht. Je nach Trainingsdaten spucken die Modelle ungenaue Informationen, Falschbehauptungen oder blanken Nazi-Dreck aus. In einer Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) interpretierten Chat GPT und ähnliche Programme in 45 Prozent der Fälle Nachrichteninhalte fehlerhaft – unabhängig von Sprache, Region oder Plattform.
In der EU gibt es zwar die sogenannte KI-Verordnung, die KI-Anwendungen reguliert und Nutzer:innen schützen soll. Aber Inhalte wie Suizidaufforderungen oder Holocaustleugnung bleiben immer noch folgenlos. Das liegt unter anderem daran, dass die Verordnung noch nicht vollständig in Kraft getreten ist und nicht alle Anwendungsbereiche konkret umfasst.
Nicht nur für Recherchen benutzen Leute die KI, sondern immer öfter auch für persönliche Gespräche, psychologische Beratung oder sogar als romantisches Gegenüber. Beim Chatbot Grok von Elon Musks Unternehmen XAI gibt es schon seit einiger Zeit sexualisierte Inhalte und einen leicht bekleideten animierten Avatar.
Was im dunklen Keller für den Incel funktioniert, darf künftig in der Arbeitswelt nicht fehlen. Für sozial inkompetente Führungskräfte, die das Betriebsklima fördern wollen, stellen sich Forschende den Einsatz von KI schon jetzt richtig praktisch vor: »Der gezielte Einsatz von KI-Tools zur eigenen Unterstützung der Führungskräfte und zur Handhabung mentaler Belastungen der Beschäftigten kann eine zentrale Stellschraube sein«, so Rahild Neuburger, die operative Leiterin der Forschungsstelle für Information, Organisation und Management an der LMU Munich School of Management. KI-Anwendungen könnten beispielsweise helfen, erste Anzeichen von Überarbeitung, übermäßiger Arbeitsverdichtung oder Burn-out zu erkennen.
Man stelle sich vor, wie der Chef empathische Satzbausteine geliefert bekommt, die er dann in der Teamsitzung abliest, oder wie jede E-Mail durch den Wertschätzungsbot gejagt wird.
Denkbar sei auch der Einsatz von Chatbots zur psychosozialen Unterstützung oder die KI-basierte Erstellung individueller Gesundheitspläne, finden die Forscher:innen. Auch KI-unterstützte Schulungsprogramme zur Förderung von Resilienz, Stressbewältigung oder Achtsamkeit wären fein.
Fehlt nur noch ein Roboter, der einem morgens sanft die Hand auf den Unterarm legt.