06.11.2025
‍Porträt

Posterboy der US-Behörden

Der martialische US-Grenzschützer Gregory Bovino steht vor Gericht

Noch vor zwei Jahren wurde der US-Grenzschützer Gregory Bovino wegen seines martialischen Auftretens in den sozialen Medien vom Kommando über einen Abschnitt in Kalifornien entbunden, ihm wurde der Rücktritt nahegelegt. Aber statt in North Carolina Äpfel zu ernten, wie er es dem Vernehmen nach für seinen Ruhestand plant, ist Bovino mittlerweile der Posterboy für das kompromisslose und zusehends militarisierte Vorgehen der US-Behörden gegen Einwanderer in der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump.

Im Juni kommandierte Bovino eine großangelegte Razzia in Los Angeles gegen Migranten, deren Geschwindigkeit und Härte die bisherigen Normen sprengte und riesige Proteste sowie tagelange Unruhen in der ganzen Stadt auslöste. 

Danach übernahm Bovino die Leitung der Razzia »Operation Midway Blitz« in Chicago. Auch dort eskalierte die Lage: Bei Zusammenstößen mit Demonstranten soll Bovino eine Tränengasgranate in eine Menschenmenge geworfen haben.

Den Gerichtsakten zufolge soll einer von Bovinos Mitarbeitern eine Waffe auf einen Protestierenden gerichtet und gesagt haben: »You are dead, liberal!

Vergangene Woche musste er sich deswegen vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, gegen eine Anordnung der Richterin Sara Ellis verstoßen zu haben, die den Einsatz bestimmter Gewaltmittel wie Tränengas gegen Demonstranten untersagte. Den Gerichtsakten zufolge soll einer von Bovinos Mitarbeitern eine Waffe auf einen Protestierenden gerichtet und gesagt haben: »You are dead, liberal!« Ellis verpflichtete Bovino, eine Woche lang täglich im Gericht über seine Einsätze zu ­berichten, sämtliches Bodycam-Material offenzulegen und selbst eine Bodycam zu tragen. Allerdings wurde die Anordnung, täglich vor Gericht zu erscheinen, von einem Berufungsgericht ausgesetzt.

Am Tag seines ersten Gerichtstermins vor Richterin Ellis veröffentlichte das Department of Homeland Security ein Video, auf dem Bovino in Uniform und langem Mantel mit strengem Bürstenschnitt und Gesten zu sehen ist, die an den Hitlergruß erinnern. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom zog öffentlich den Vergleich zu Nazi-Inszenierungen. Kristi Noem, Ministerin für Innere Sicherheit, bezeichnete Bovino, wohl als Belohnung für seine Einsatzpraktiken, als »commander-at-large«. Bovino untersteht nun direkt Noem und agiert außerhalb der traditionellen Befehlskette der Border Patrol.