Jungle+ Artikel 06.11.2025
‍Mense Reents über seine Techno-Band Egoexpress

»Uns fehlte der Fun«

Techno galt den Vertretern der Hamburger Schule Anfang der Neunziger als prollig – das hielt zwei von ihnen jedoch nicht davon ab, selbst welchen zu machen. Das Duo Egoexpress nahm mehrere Alben auf, nun erscheinen einige ihrer alten Songs neu. Mense Reents, Mitgründer von Egoexpress und seit langem Mitglied der Goldenen Zitronen, erzählt im Gespräch mit der »Jungle World« über sein frühes Musikprojekt, den Spaß an der Stumpfheit und ihren Auftritt bei dem Massen-Event Mayday.

Du hast in vielen verschiedenen Konstellationen Musik gemacht und in mehr als zehn Bands gespielt. Hebt sich Egoexpress dennoch ein bisschen von allen anderen Projekten ab?
Als ich Egoexpress Mitte der Neunziger mit Bernd »Jimi« Siebels gegründet habe, war das zumindest für mich ein großer Bruch. Ich hatte vorher bei Huah! und Die Regierung in klassischen Bandkonstellationen Bass beziehungsweise Gitarre gespielt. Dann entdeckten wir House und Techno. Plötzlich waren Strophen, Refrains und Soli nicht mehr wichtig. Auch unsere eigene Musik kam mir damals wahnsinnig abstrakt und minimal vor, was sie – mit ein wenig zeitlichem Abstand betrachtet – natürlich nicht unbedingt war.

Seid ihr vom Sound aus Detroit und Chicago geprägt worden?
Von Detroit eigentlich weniger, obwohl ich Jeff Mills und Robert Hood (beide maßgebliche DJs/Produzenten aus Detroit; Anm. d. Red.) großartig fand. Deutlich stärker geprägt sind wir von der zweiten Chicago-House-Generation: Relief Records sowie die beiden Produzenten Green Velvet (Curtis Jones) und DJ Sneak (Carlos Sosa) waren zum Beispiel wichtig für mich. Dieses bollerige, stumpfe, primitive Kellermaterial und die monotonen Disco-Tracks von Hamilton Bohannon (Musiker aus den Siebzigern; Anm. d. Red.) waren unsere Welt. Im Nachhinein höre ich auch noch ein wenig Suicide und DAF heraus, aber diese Einflüsse waren uns damals nicht unbedingt bewusst.

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