Bayern wird blauer
Im oberbayerischen Weilheim könnte die AfD bald ihren ersten eigenen Veranstaltungsort in Bayern eröffnen. Bereits im Februar bestätigte ihr Landtagsabgeordneter Benjamin Nolte, dass seine Partei seit Herbst vergangenen Jahres Mieter eines ehemaligen Kinos mit Platz für rund 200 Personen ist. Dort wolle die AfD ein »Kulturzentrum« einrichten, das »als Begegnungsstätte für patriotisch gesinnte Bürger im ganzen Landkreis« dienen soll.
Größere Aufmerksamkeit erlangte dieser Umstand erst im September, als Gegner:innen der Partei ein gefälschtes Amtsblatt verteilten. Darin entschuldigt sich »der Stadtrat«, nicht früher über die Pläne der AfD informiert zu haben, und kündigt an, das Kino nun selbst zu mieten, um eine eigene »Kulturstätte« einzurichten. Kurz darauf meldete sich Bürgermeister Markus Loth (Bürger für Weilheim) tatsächlich zu Wort und bat die Bürger:innen, sich von diesem Papier nicht verunsichern zu lassen. Die Verfasser:innen zeigte er an. Zur Vermietung des ehemaligen Kinos hingegen hatte er wenig zu sagen. In einer Stellungnahme dazu teilte er mit, da es sich um »eine rein privatrechtliche Angelegenheit« handle, habe die Stadt »grundsätzlich keinen Einfluss darauf«.
In den neuesten Umfragen zur Landtagswahl in Bayern steht die AfD mit 19,6 Prozent an zweiter Stelle hinter der CSU mit 38,4 Prozent.
Benjamin Nolte war vor seiner Parteikarriere Mitglied der rechtsextremen Münchner Burschenschaft Danubia. Nachdem er beim Burschentag in Eisenach im Jahr 2009 einem Mitglied der Alemannia Köln eine Banane überreicht hatte, weil die ein schwarzes Mitglied hatte, haftete ihm der Spitzname »Bananen-Nolte« an. Im Jahr 2014 reichten seine Mitgliedschaft bei der Danubia und der Bananenvorfall noch dazu aus, dass Nolte als Stellvertretender Vorsitzender der Jungen Alternative zurücktreten musste. Mittlerweile sitzt er für die AfD im Landtag.
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