Zschäpes beste Freundin
Ziemlich genau 14 Jahre ist es her, dass sich der NSU selbst enttarnte. Nun besteht die Chance, dass noch eine mutmaßliche Unterstützerin der Terrorgruppe zur Rechenschaft gezogen wird: Am Donnerstag vergangener Woche begann in Dresden am Oberlandesgericht ein Verfahren gegen Susann Eminger. Der 44jährigen wird vorgeworfen, die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wissentlich bei ihren Terroranschlägen unterstützt zu haben.
Daran, dass diese Gruppierung tatsächlich nur aus den besagten drei Neonazis bestanden haben soll, die angeblich unabhängig agierten, bestanden früh erhebliche Zweifel. Wie sollen diese drei ihre verschiedenen Bombenanschläge und die Morde an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides und Mehmet Kubaşık ohne ortskundige Helfer geplant und ausgeführt haben in so vielen verschiedenen Städten: Nürnberg, München, Hamburg, Köln, Kassel, Rostock? Bis heute weitgehend ungeklärt sind zudem die Hintergründe des Mords an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.
Susann Emingers Mann André trug von allen Angeklagten im Münchner NSU-Prozess von 2013 bis 2015 am wenigsten zur Aufklärung der NSU-Mordserie bei. Er hielt sich bis zum Schluss an das Motto, das das T-Shirt zierte, mit dem er einmal zur Verhandlung erschien: »Brüder schweigen – bis in den Tod«.
Ob der Prozess in Dresden dazu Neues zutage fördern wird, ist die Frage. Emingers Mann André trug von allen Angeklagten im Münchner NSU-Prozess von 2013 bis 2015 am wenigsten zur Aufklärung der NSU-Mordserie bei. Er hielt sich bis zum Schluss an das Motto, das das T-Shirt zierte, mit dem er einmal zur Verhandlung erschien: »Brüder schweigen – bis in den Tod«.
Mit der Taktik fuhr er ganz ausgezeichnet; er wurde zu gerade einmal zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Man habe ihm nicht nachweisen können, dass er von den Taten des »Trios« gewusst habe, hieß es in der Urteilsbegründung. Insgesamt saß Eminger nur eineinhalb Jahre im Gefängnis – gegen die Auflage, dass er, der von Jugend an tief in die sächsische Neonazi-Szene verstrickt war, an einem Aussteigerprogramm teilnimmt. Nicht nur die Nebenkläger:innen sahen darin einen Skandal.
Unbestritten war es André Eminger, der für Mundlos und Böhnhardt eine Wohnung mietete, als sie im Untergrund lebten, sowie Wohnmobile, die sie bei Banküberfällen und einem Bombenanschlag nutzten. Mit Zschäpe ging Eminger einmal sogar für eine Vernehmung zur Polizei, wobei diese sich als seine Frau Susann ausgab. Zschäpe wiederum erhielt Dokumente von Susann Eminger auf deren Namen, was es Zschäpe ermöglichte, mit den beiden Uwes in Zwickau über Jahre ein unauffälliges Leben zu führen. Die beiden Frauen waren in den Jahren 2000 bis 2007 gut befreundet, in der Zeit also, in der das Trio seine Morde und den Bombenanschläge beging. Dennoch wollen die Emingers nichts davon gewusst haben.
Beteiligung an einem Bombenanschlag in Nürnberg?
Viele sind überzeugt, dass nicht nur André Eminger mehr war als ein stiller Unterstützer. Bei seiner Frau gibt es möglicherweise sogar ein Indiz für eine Beteiligung an einem Bombenanschlag auf die Gaststätte »Sonnenschein« in Nürnberg im Juni 1999. Der Anschlag wurde erst im Prozess durch eine Aussage des im Münchner NSU-Prozess angeklagten Carsten Schultze bekannt. Auf Fotos, die Mitarbeiter des BKA daraufhin Serkan Yıldırım vorlegten, will der ehemalige Betreiber der Gaststätte, der den Anschlag mit schwersten Verletzungen überlebte, Susann Eminger erkannt haben. Nur ist der Anschlag nicht Teil der Anklage vor dem Dresdner Oberlandgericht, weshalb Yıldırım auch nicht als Nebenkläger am Prozess teilnimmt.
Vieles hängt nun daran, ob Susann Eminger bei ihrem Schweigen bleibt und Zschäpe bei ihren Aussagen, die Emingers hätten nichts gewusst. Dass Susann vor Gericht, anders als ihr Mann, reden wird, ist unwahrscheinlich. Zschäpe wiederum hat kürzlich selbst ein Aussteigerprogramm begonnen – im kommenden Jahr soll über eine frühzeitige Haftentlassung entschieden werden. Sie könnte also einen Grund haben, sich diesmal ein klein wenig kooperativer zu zeigen. Am 3. und 4. Dezember soll sie in Dresden als Zeugin vernommen werden.