Jungle+ Artikel 20.11.2025
Die AfD will moderat erscheinen

Deutsche Vielstimmigkeit

Die AfD streitet über ihre Russland-Politik – könnte man meinen. Tatsächlich dürfte es der Partei aber vor allem um ihre Außenwirkung gehen: Um ihre Wählerschaft zu erweitern, versucht sie, moderater aufzutreten. Das ließ sich beispielhaft an der rechten Buchmesse »Seitenwechsel« erkennen.

Die Russland-Reise dreier hochrangiger AfD-Politiker sorgt parteiintern für Konflikte. Am Wochenende nahmen der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré, der Europaabgeordnete Hans Neuhoff und der Vorsitzende der sächsischen AfD, Jörg Urban, an einer Kon­ferenz im russischen Sotschi teil.

Genehmigt hatte die Reise der Arbeitskreis für Außenpolitik (AK Außen) unter Leitung des außenpolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, der als enger Vertrauter der Co-Fraktionsvorsitzenden und Co-Vorsitzenden der Bundespartei, Alice Weidel, gilt. Noch am Donnerstag vergangener Woche behauptete Frohnmaier in der ARD-Talkshow »Maischberger«, von Russland gehe keine Gefahr aus; ähnlich äußerte sich Tino Chrupalla, Weidels Kollege im Bundestagsfraktions- und Parteivorsitz, in der Talkshow »Markus Lanz« im ZDF.

Weidel ist da anderer Meinung. Sie kritisierte die Reise (und die Genehmigung durch den Arbeitskreis) ungewöhnlich scharf und kündigte sogar parteiinterne Konsequenzen an – war aber schon kurz darauf um Schadens­begrenzung bemüht. »Markus Frohnmaier leitet den Arbeitskreis Außen vollkommen untadelig«, ließ sie sich in der »Tagesschau« zitieren und fügte hinzu: »Ich schätze seine Art, um Ausgleich bemüht zu sein, sehr und habe keinen Zweifel daran, dass er auch in Zukunft die Professionalisierung des AKs voran treiben wird.«

Die AfD hat vor allem unzufriedene Unionswähler im Westen im Blick.

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