Jungle+ Artikel 20.11.2025
Der deutsche Massentourismus nach Spanien begann noch unter der Herrschaft des Franco-Regimes

Urlaub in der Diktatur

Als das Franco-Regime Spanien Ende der Fünfziger für den Tourismus öffnete, strömten die Deutschen massenweise in das Land. Die Urlauber füllten die Kassen des Regimes und halfen der Diktatur über eine schwere Wirtschaftskrise hinweg.

Die Insel war voller Hippies. »Die Frauen sahen so schön aus in ihren langen, wallenden Kleidern«, erinnert sich Annette Riemann an Familienurlaube auf der spanischen Insel Formentera. Für Riemann und ihre Schwester war Formentera in der Kindheit ein Ort der Freiheit, sie empfanden das Leben dort als grundsätzlich verschieden vom strengen Deutschland. Oft fuhren sie mit ihren Eltern in die Stadt, nur um im Café zu sitzen und die vorbeigehenden Hippies anzuschauen. Das war in den Sechzigern und in Spanien herrschte eine klerikalfaschistische Diktatur.

Nicht nur ließen sich in dieser Zeit zahlreiche Hippies auf Formentera nieder, die Baleareninsel entwickelte sich in den folgenden Dekaden neben Ibiza, Goa und Kathmandu zu einem der obligatorischen Reiseziele der Flower-Power-Bewegung und ihrer Nachfolger. Unter der Vielzahl an Berühmtheiten, die eine Zeit bei den Hippies auf Formentera verbrachten, waren in den Sommern 1968 und 1969 auch die Mitglieder der Gruppe Pink Floyd.

Unter der Vielzahl an Berühmtheiten, die eine Zeit bei den Hippies auf Formentera verbrachten, waren in den Sommern 1968 und 1969 auch die Mitglieder der Gruppe Pink Floyd.

Die ersten Aussteiger, die nach Formentera kamen, waren junge Männer aus den USA gewesen, die sich dem Militärdienst entzogen, um nicht in den Vietnam-Krieg geschickt zu werden. Oft heißt es, das habe mit der peripheren Lage der zu den Balearen gehörenden Insel zu tun, die praktisch außerhalb des Zugriffs des Regimes gelegen hätte – das ist jedoch ein Mythos. So behielt Spanien bis in die siebziger Jahre hinein die Kontrolle über die viel weiter entfernt gelegene Provinz Spanisch-Sahara. Auch betrieb das Regime bis in die Vierziger ein Strafgefangenenlager auf Formentera, das später zu einer Kaserne umfunktioniert wurde, bis es ab 1953 leerstand.

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