20.11.2025
Wer schön sein will, muss... was?

Homestory #47/2025

Die Redaktion der »Jungle World« stellt sich (und Ihnen) Fragen zum Thema Schönheit.

Schönheit ist überall. Zumindest wenn man den großen und kleinen Influencern in den sozialen Medien glaubt. Sie war einmal eine Frage des Blicks – der Volksmund sagte: »Schönheit liegt im Auge des Betrachters.«

Mittlerweile wird sie auch zu einer Frage des ­Algorithmus. Wer gerade nicht seinem Körpervolumen beim Wachsen oder Schrumpfen zusieht, probiert vielleicht eine bei Tiktok angepriesene südkoreanische Gesichtsmaske für den makellosen K-Beauty-Glow oder sucht nach dem besten Filter für das nächste Selfie, in der Hoffnung auf Likes und Shares.

Eine Frage des ­Algorithmus

Schönheit ist wandelbar. Mal gelten atmungsaktive Funktionsklamotten als Ideal, mal zerschlissene Lederjacken. Auf der einen Seite sind die Fitnessstudios voll, auf der anderen Seite steht der Hype um »ugly chic«, der schön findet, was zuvor als scheußlich galt.

Die vorgebliche Vielfalt in den sozialen Medien ist nicht tolerant, bei vielen wachsen die Unsicherheiten, die Zahl der Magersüchtigen wächst. Und wer nicht ins Raster passt, lässt möglicherweise gleich operieren. Weltweit boomt die Schönheitsindustrie, sie ist oft eine Frage des Geldes.

Natürlich mischen sich auch die politischen Lager ein: Die Rechten proklamieren eine natürlich scheinende oder traditionelle Ästhetik. Linke diskutieren das Thema selten gelassen, Schönheit gilt vielen schnell als oberflächlich, als verdächtig kapitalistisch und kommerziell.

Fragen der Schönheit und des Stils beschäftigen auch Ihre Lieblingszeitung. Ein Redakteur hat »eine große Leidenschaft für Lederjacken, Hemden und Lederschuhe entwickelt«, während eine Kollegin erst in den vergangenen zwei Jahren die Gemütlichkeit von Sneakern für sich entdeckte.

Wie hässlich ist Deutschland wirklich?

Gut kommt bei erstzitiertem Kollegen an, wenn sich Menschen bewusst kleiden, eine Redakteurin freut sich sogar explizit, wenn sich ihre Kollegen schön anziehen, »das hebt meine Laune im Büro«. Manche Kolleginnen halten sich im selten aufgeräumten Büro in Kleidern und Röcken eher für »overdressed« oder haben diese seit der Pandemie gleich ganz gegen Jogginghosen eingetauscht. Und ein Redakteur beantwortet sämtliche Schönheitsfragen mit dem Verweis auf Immanuel Kants »­interesseloses Wohlgefallen«, da ihm die Idee gefällt, »dass etwas gerade deswegen schön ist, weil es keinen Zweck und keine Funk­tion hat«.

Was aber feststeht: Wer schön sein will, muss lesen! Vor allem die anstehende Weihnachts-Doppelausgabe der Jungle World, die am 18. Dezember erscheinen und ganz im Zeichen der Schönheit stehen wird. Dafür fragen wir nach: Werden Schönheitsnormen wieder rigider? Ist es wichtig, dass Städte gut aussehen? Wie entsteht Schönheit im Film? Warum waren deutsche Philosophen so fasziniert von der Frage, was schön ist und was nicht? Und natürlich: Wie hässlich ist Deutschland wirklich?

*

Wegen eines Software-Fehlers ist es in der vergangenen Woche zu Unregelmäßigkeiten bei der Zustellung der gedruckten Jungle World ­gekommen. Wir bitten dafür um Entschuldigung.