Gemeinnütziger Diktator
Carmen Franco y Polo, die einzige Tochter des spanischen Diktators Francisco Franco, ließ die Fundación Nacional Francisco Franco (Nationale Francisco-Franco-Stiftung, FNFF) am 8. Oktober 1976 in das spanische Register der gemeinnützigen Organisationen eintragen. Elf Monate zuvor, am 20. November 1975, war ihr Vater 82jährig an Herzversagen gestorben. Der von Franco als Interimsführer des Landes eingesetzte Prinz Juan Carlos wurde zwei Tage später zum König proklamiert und Spanien befand sich mitten in der Transición, dem Übergang zur Demokratie.
Die Transición war ein mehrjähriger Prozess, der als vorsichtige Öffnung begann und durch das Aufbegehren sozialer Bewegungen, Streiks und Proteste 1977 zu den ersten freien Wahlen seit 1936 und zu einer neuen Verfassung führte. »Der Tod des Diktators bedeutete weder das Ende der Diktatur noch den Beginn der Demokratie«, erinnert sich Gabriel Flores, Mitglied der 1991 in der Izquierda Alternativa aufgegangenen, unter Franco klandestinen Organisation Movimiento Comunista, in der spanischen Online-Tageszeitung Nueva Tribuna.
»Tatsächlich wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 1976 in Spanien 17.731 Streiks ausgerufen, eine erfolgreiche Protestwelle, die jede Versuchung, die Diktatur fortzusetzen, zunichte machen sollte«, so der Historiker Joseba Eceolaza auf der Nachrichten-Website Noticias de Navarra: »Franco starb in seinem Bett, aber der Franquismus starb in jedem dieser sozialen Kämpfe, die zu dieser Zeit geführt wurden.«
»Der Tod des Diktators bedeutete weder das Ende der Diktatur noch den Beginn der Demokratie.« Gabriel Flores (Movimiento Comunista)
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