Jungle+ Artikel 27.11.2025
Julian Radlmaiers Komödie »Sehnsucht nach Sangerhausen« kommt ohne Ostdeutschland-Klischees aus

Hier regnet’s keine roten Rosen

In Julian Radlmaiers Filmkomödie »Sehnsucht in Sangerhausen« stolpern die Figuren durch einen Ort der Gegensätze und begeben sich auf Gespensterjagd.

Lotte (Paula Schindler) lebt an der Schwelle zum 19. Jahrhundert als Magd auf einem Schloss in Sangerhausen im damals zu Sachsen gehörenden Südharz. Und sie hat genug davon, Teppiche auszuklopfen und den Nachttopf ihres Herrn zu leeren.

Auch wenn sie zugeben muss, dass dieser manchmal hübsche Zeilen zustande bringt. Besonders seine Beschreibung einer »blauen Blume« hat es ihr angetan. Aber dass er sich deshalb gleich »Novalis«, also der Neulandrodende, nennen muss, scheint ihr doch reichlich überkandidelt.

Angesichts solcher hochherrschaftlicher Verrücktheit beschließt sie, mit ihrem Geliebten nach Frankreich zu fliehen, wo es eine Revolution gegeben haben soll. Dort, so hofft sie, wird sie bereits auf Erden die Freiheit finden, auf die sie nur im Himmel hoffen kann, sofern sie weiter in der deutschen Provinz bleibt.

Wie in »Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes« und der marxistischen Vampirkomödie »Blutsauger« prägt vor allem des Regisseurs eigenwillige Betrachtung der Welt den Film. Er selbst spricht von einem »schrägen Blickwinkel«.

Ebenfalls in Sangerhausen, allerdings in der Gegenwart, verliebt sich eine junge proletarische Frau, Ursula (Clara Schwinning), in die Geigerin Sophie (Henriette Confurius) aus Berlin, eine entfernte Nachfahrin von Novalis. Die gebildete Musikerin ist für ein Gastspiel in der Provinz und lässt sich, weil es so gut klingt, lieber Zulima als Sophie nennen. Schon nach dem ersten gemeinsam verbrachten Abend werden Ursulas romantische Träumereien enttäuscht.

Zur selben Zeit versucht sich die aus dem Iran geflüchtete Youtuberin Neda (Maral Keshavarz) im Sachsen-Anhaltischen als Reise-Influencerin. Doch ihrem Vorhaben ist von Anfang an kein Erfolg beschieden. Und während es an verschiedenen Orten der als Rosenstadt bekannten Kreisstadt zu spuken beginnt, kreuzen sich die Handlungsstränge und verbinden sich in komödiantischen, dramatischen und melancholischen Momenten miteinander.

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