Jungle+ Artikel 27.11.2025
Lohnabhängige kämpfen für eine freiere Gestaltung der Arbeitszeiten

Hoch die Löhne, runter die Stunden

Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz schleifen. Derweil kämpfen die Lohnabhängigen branchenübergreifend für mehr Freizeit und Selbstbestimmung.

Schluss mit der work-life balance und der Diskussion über die Viertagewoche – Mehrarbeit ist das Gebot der Stunde. Zumindest, wenn es nach Regierung und Unternehmensverbänden geht. »Wir müssen mehr und länger arbeiten«, forderte nicht nur Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU), auch Steffen Kampeter, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), wünschte sich »mehr Bock auf Arbeit«.

Immerhin geht es um nichts Geringeres als die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in der internationalen Staatenkonkurrenz. Um die Voraussetzungen für eine noch intensivere Ausbeutung der Ware Arbeitskraft zu schaffen, macht sich die Bundesregierung derzeit daran, das Arbeitszeitgesetz systematisch auszuhöhlen. Unter anderem soll der Achtstundentag fallen und so eine Ausweitung des Arbeitstags auf bis zu 13 Stunden möglich werden.

Eine Viertagewoche mag für einen älteren Schichtarbeiter sehr attraktiv sein, für eine Reinigungskraft in unfreiwilliger Teilzeit ändert sie nichts daran, dass sie zum Überleben noch weitere Jobs benötigt.

Den Bemühungen, durch Angriffe auf das Arbeitszeitgesetz und andere Arbeitnehmer:innenrechte den Zugriff des Kapitals auf die Ware Arbeitskraft immer mehr auszuweiten, steht jedoch eine wachsende Bewegung gegenüber, die für eine Reduzierung der Arbeitszeit kämpft – und die auch die Gewerkschaften erfasst hat. Zuletzt gab es kaum eine Tarifauseinandersetzung, bei der nicht mehr Urlaub und kürzeren Arbeitszeiten zu den wichtigsten Forderungen gehörten, so etwa in den zurückliegenden Tarifrunden im öffentlichen Dienst und im KFZ-Gewerbe.

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